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Wie aus Hund, Pferd und Mensch ein gutes Team wird

Tier&Mensch; Freizeit; Pferdesport; Hunde; FEA
(Feature)
Geländetaugliches Dreigespann
Wie aus Hund, Pferd und Mensch ein gutes Team wird
--- Von ddp-Korrespondentin Claudia Berker ---

Lechbruck (ddp). Ein langer Ausritt durchs Gelände, durch Wälder und über Feldwege, mal gemächlich im Schritt, dann wieder im gestreckten Galopp, gelegentlich ein Sprung über einen umgestürzten Baumstamm - ein Idealszenario für viele Reiter. Ist dann auch noch der eigene Hund dabei, treu und willig an der Seite von Pferd und Mensch, ist die Idylle perfekt.
Doch der Weg zum einem solch harmonischen Dreigespann ist mühsamer, als das idyllische Bild vermuten lasst. Das hat sehr viel damit zu tun, dass Pferd und Hund ganz unterschiedlich ticken: »Ein Pferd ist Flucht und
gleichzeitig Beutetier, während der Hund von seinem Instinkten her Jäger ist«
, erläutert Sabine Lang aus dem bayrischen Lechbruck die komplexe Konstellation. Die erfahrene Pferdetrainerin gibt seit einigen
Jahren Kurse darin, wie sich Pferd und Hund trotz zunächst widersprüchlicher Neigungen aneinander gewöhnen und schließlich zusammen mit dem Reiter entspannt gemeinsam unterwegs sein können. Bis dahin ist viel Psychologie im Spiel.
Zunächst die Rollenverteilung: »Leittier ist immer der Mensch. Er vermittelt zwischen Hund und Pferd. Für beide Rudel- bzw. Herdentiere bietet der Mensch wiederum Sicherheit und Orientierung«, erklärt Sabine Lang. Voraussetzung sei: Hund und Pferd müssen ihren Besitzer akzeptieren, ihm absolut vertrauen --- und eine solide Grundausbildung haben. Das bedeutet, das Pferd muss Hilfen und Kommandos kennen, der Hund muss elementaren Befehlen wie Sitz, Platz, Bei Fuß und Bleib gehorchen. Klare Kommandos, die konsequent eingehalten werden, geben beiden Tieren Sicherheit: »Es ist wichtig dass beide ihre Grenzen kennen und die Einhaltung gelobt wird. So steigert man dass gegenseitige Vertrauen und bekommt freiwillig mitarbeitende Vierbeiner, die auch ihren Spaß haben«, so die Erfahrung der Expertin.

Am Anfang des Dreier-Trainings stehen Führübungen: »Das Pferd geht hinter der Schulter rechts, der Hund links, dann wird das Abbiegen zu beiden Seiten trainiert, außerdem das Ablegen des Hundes, mit und ohneLeine«, so Sabine Lang. Wichtig ist, dass dabei jeder seinen Platz im »Rudel« kennt.
Geht es auf's Pferd, besteht die Herausforderung darin, beiden Tieren ausreichend Aufmerksamkeit und Orientierung zu geben. Beide lernen allmählich, sich im Schritt, Trab und Galopp gemeinsam zu bewegen
und die Sprache des anderen zu verstehen beziehungsweise eigene Instinkte unterzuordnen.
Wieder spielt die Psychologie eine wesentliche Rolle: »Wenn das Pferd läuft, ist es Stress für den Hund, liegen zu bleiben oder nicht zu jagen. Daher müssen ihm diese Übungen angenehm gemacht werden --- mit viel Lob und Leckerlis zwischendurch«, rät Sabine Lang. Dieses Prinzip gilt durchgängig, denn entscheidend ist, die Motivation des künftigen Reitbegleithundes zu erhalten und ihm das, was er zu tun hat, so angenehm wie möglich erscheinen zu lassen. »Das geht nie über Druck und Schimpfen, sondern nur über Geduld und
Lob.« Auch Eifersucht muss ernst genommen werden. »Wenn der Hund beispielsweise beim Putzen liegen und warten soll, ist es besser, mit kurzen Zeiteinheiten zu beginnen und ihn zwischendurch immer wieder
anzusprechen und zu loben.«
Wie lange die vertrauensbildenden Maßnahmen dauern, hängt sehr vom Hintergrund des Hundes ab: »Es gibt keine Rasse, die nicht geeignet wäre, aber manche Tiere sind ängstlicher als andere oder haben einen
stärkeren Jagdinstinkt. Darauf muss der Besitzer bereits bei der Erziehung eingehen
«, betont die Kursleiterin.
Für den Ausritt ins Gelände sollte sichergestellt sein, dass beide Tiere sich akzeptieren und der Hund kontrollierbar ist, zum Bespiel, wenn Spaziergänger kommen. »Er muss außerdem gelernt haben, nie zwischen die Beine des Pferdes zu springen.« Alles Weitere sei eine Sache des Trainings. »Es ist niemals so, dass der Punkt erreicht ist, ab dem alles funktioniert. Das Erlernte muss immer wieder nachgefragt und kontrolliert werden.« Sabine Lang geht deshalb mit ihrem Quarterhorse-Wallach regelmäßig ins Gelände und
frischt mit Mischlingshund Nanuk die Grundregeln wieder auf.
Für Übungen an der Leine empfehle sich ein Brustgeschirr - ein Zug-Halsband oder eine Flexileine bergen ein zu großes Unfallrisiko.

Wen der Ehrgeiz packt, die erlernte Harmonie zwischen Pferd und Hund auch einem größeren Publikum vorzuführen, für den gibt es inzwischen auch eine passende Turnierdisziplin namens »Horse and Dog Trail«, eine Strecke mit Übungen für Pferd und Hund. »Seit vier Jahren existiert für diese ursprünglich aus der Schweiz stammende Disziplin eine eigene Prüfung, die bislang hauptsächlich auf Westernreitturnieren abgelegt wird«, erläutert Sabine Lang, die dazu ebenfalls Kurse in ihrem Ausbildungsprogramm hat.
Geeignet sei der »Horse and Dog Trail« für jeden Reitstil und alle Leistungsklassen.
Während eines solchen Trailparcours hat der Hund eine Reihe von Aufgaben an der Seite des Pferdes zu erfüllen, die ihm zuvor vermittelt werden. Dazu gehört etwa, auf Kommando liegen zu bleiben, vorauszulaufen oder Hindernisse zu überwinden. »Dargestellt und bewertet wird die harmonische
Zusammenarbeit zwischen Reiter, Pferd und Hund
«, erläutert die Ausbilderin. Und die funktioniert in allen erdenklichen Kombinationen --- auch Dackel oder Pudel haben bereits mit »ihren« Pferden erfolgreiche Trails absolviert.

Tier&Mensch; Freizeit; Pferdesport; Hunde; HIG
Unterwegs mit Pferd und Hund: Training und Informationen
Vom Gewöhnungskurs mit Schnupperübungen bis zum turnierreifen »Horse and Dog-Trail« bietet Sabine Lang zusammen mit verschiedenen Schwierigkeitsstufen an. Mehr Informationen und Anmeldung im Internet
unter www.sabinelang.de.
Kontakt per E-Mail: info.at.sabinelang.de oder unter Tel. :08862/987118.