PEGASUS 9/05 PFERD UND HUND
Mit vier Hufen und vier Pfoten durch den Parcours
Es gibt kaum einen Pferdebesitzer, der im Stall und beim Ausritt nicht von einem Hund begleitet wird. Doch während sich der vierpfotige Begleiter bislang am Turniergeschehen im Pferdesport nur passiv beteiligen konnte, steht er nun mit der Disziplin «Horse and Dog Trail» mitten im Geschehen.
Horse and Dog Trail ist eine immer beliebter werdende Disziplin, die auf dem besten Wege dazu ist, sich insbesondere auf Westernturnieren fest zu etablieren. Bei dieser Disziplin überwindet der Reiter nicht nur mit seinem
Pferd die unterschiedlichsten Hindernisse, sondern auch der Hund zeigt,
was er im Parcours zu leisten vermag. In der Regel läuft er dabei «bei Fuss». Noch ist der Horse and Dog Trail als Sonderprüfung
deklariert, aber immerhin schon im Regelwerk des Deutschen Westernreitverbandes, der EWU (Erste Westernreiter Union Deutschlands) verankert.
Derzeit werden genauere Durchführungskriterien verarbeitet, die eine faire
Konkurrenz ermöglichen und um Veranstaltern einen Leitfaden an die Hand
zu geben, diese Disziplin erfolgreich durchzuführen.
Eine Disziplin mit Zukunft
Auch das Kursangebot zum Horse and Dog Trail wird immer grösser. So bietet
beispielsweise die Pferdetrainerin Sabine Lang aus Lechbruck im Allgäu laufend
Horse and Dog Trail-Kurse an. Sabine Lang gilt als Pionierin für den Horse
and Dog Trail, startet auf vielen Turnieren in dieser Disziplin, gibt Vorführungen
auf Messen und bildet Pferd und Hund gleichermassen aus. Trotz
steigender Kurs- und Ausbildungsangebote ist vielen Pferde- und Hundefreunden die Anforderung dieser Disziplin noch nicht so recht klar. Wer jedoch einmal in den Horse and Dog Trail hineingeschnuppert hat, ist mit voller Begeisterung bei der Sache. Dabei ist es nicht relevant, ob man sich freizeitmässig im Gelände oder mit Turniergedanken auf dem Parcours mit dieser Disziplin beschäftigt.
Um erfolgreich einen Horse and Dog Trail bewältigen zu können, müssen verschiedene Voraussetzungen erfüllt werden.
Zunächst geht es darum, die Trailhindernisse und Aufgabenstellungen
mit dem Pferd allein zu beherrschen. Ein gewisses reiterliches Niveau sowie eine gute Basisausbildung des Pferdes sind also erforderlich. Um in den Horse and Dog Trail einzusteigen, muss der Reiter sein Pferd sicher beherrschen und Fehltritte sowie Kontrollverlust definitiv ausschliessen können. Sind diese Voraussetzungen gegeben, sollte der Reiter nun auch seinen Hund vom Pferd aus kontrollieren können.
Basisausbildung für Hund und Pferd
Bevor der Reiter die Kontrolle seines Hundes vom Pferd aus erreichen kann, ist
zunächst viel Arbeit vom Boden aus nötig, sprich die Grundausbildung des Hundes muss abgeschlossen sein. Das bedeutet, dass der Hund die Kommandos «Sitz»,«Platz», «Bleib» und «Bei Fuss» sicher beherrschen muss. Zudem soll der Hund abgelegt werden können und auf Zuruf seines
Besitzers herkommen. Letztendlich muss man seinen Vierbeiner auch wegschicken können. Die Kommandos «Lauf» oder «Voraus» sind hierfür die
geläufigsten.
Schon im Welpenalter kann und soll man mit der Erziehung seines Hundes beginnen. Bereits ab der siebten Lebenswoche lernt der Welpe die Bedeutung derWorte «Nein», «Hier» und «Sitz». Bevor ein Hund aber auf ein Kommando reagiert, muss er aufmerksam sein. Die Voraussetzungen zum Lernen sind hier nicht anders als beim Pferd. Beim Hund erreicht man seine Aufmerksamkeit, indem man seinen Namen ruft. Der Name sollte kurz und prägnant sein, so lernt der Welpe schneller, darauf zu reagieren. In freundlichem Ton fordern Sie nun den Hund auf, zu Ihnen herzukommen: Rufen Sie beispielsweise «Hier». Möglicherweise muss man das Herkommen zunächst mit einem
Leckerli oder seinem Lieblingsspielzeug verbinden. Aber bald wird der Hund der
Aufforderung freudig Folge leisten, da er damit etwas Angenehmes verbindet.
Wenn der Hund sich unkorrekt verhält, knurren Sie regelrecht ein deutliches
«Nein».
Basis für alle Übungen
Spielerischer Aufbau der einzelnen Kommandos.
Aufbauend kann der Hund gleich das «Sitz» lernen, sobald das Herkommen gut
funktioniert, was sicherlich nach etwa zwei Wochen der Fall sein wird. Die
Übung «Sitz» muss vor dem Ablegen erfolgen, das beim Horse and Dog Trail eine Voraussetzung darstellt. Das Absitzen ist für den Hund eine kurzfristige Erwartungshaltung, und es kann ihm mit einiger Geduld und viel Lob und Leckerlis leicht beigebracht werden. Nachdem Sie Ihren Hund mit «Hier» zu sich gerufen haben, holen Sie ein Leckerli hervor. In Erwartung der Belohnung wird sich der Hund setzen, unter anderem damit er besser zu Ihnen (und dem Leckerli) hochblicken kann. Natürlich müssen Sie diese Aktion mit der Aufforderung «Sitz» verbinden. Wenn kein Blickkontakt des Hundes zu seinem Herrchen oder Frauchen möglich ist -- beispielsweise wenn Sie an der Leine
mit ihm spazieren gehen -- kann ein leichter Druck mit der Hand auf sein Hinterteil nötig sein, um das Sitzen zu fördern. Wenn diese Übung nun schon gut funktioniert, gehen Sie dazu über, Ihrem Hund die Aufforderung «Sitz» als Sichtzeichen beizubringen. Das erleichtert Ihnen später die Kontrolle des Hundes vom Pferd aus. Zuerst heben Sie die Hand, dann sagen Sie «Sitz». Später genügt das Zeichen mit der Hand, weil der Hund weiss, was Sie von ihm wollen. Nun muss der Hund noch die Lektionen «Platz» (Ablegen), «Bei Fuss»
laufen und «Bleib» erlernen. Gehen Sie bei diesen Lektionen nach gleichem Schema vor: Korrigieren Sie falsches Verhalten mit «Nein» und loben Sie den richtigen Weg mit Leckereien, Lob und Spielen.
Die Gewöhnungsphase ist wichtig.
Sicherlich werden Sie schon Ihren jungen Hund mit zu den Pferden nehmen, wenn Sie zum Stall fahren. Das ist eine gute Übung, sich mit dem Pferd auseinander zu setzen. Auch das Pferd muss sich an den Hund gewöhnen. Je früher die Gewöhnungsphase stattfindet, desto besser. Vergessen Sie aber nie Ihren Hund, wenn Sie sich mit dem Pferd beschäftigen -- sei es beim Putzen oder schliesslich beim Reiten.
Der Hund möchte auch seine Aufgabe haben. Sobald er sich abgestellt fühlt, wird er sich unter Umständen ungebührlich benehmen, um Ihre Aufmerksamkeit zurückzuerlangen. Manche Hunde bellen, andere laufen einfach weg oder springen zwischen die Pferdebeine. Loben Sie deshalb Ihren Hund, wenn er sich beim Pferd ruhig verhält. Bringen Sie Ihrem Hund bei, dass er genügend Abstand zum Pferd hält. Das ist ein wichtiger Sicherheitsaspekt.
Pferd und Hund müssen sich gegenseitig respektieren. Das ist nicht immer einfach, schliesslich ist das Pferd ein Fluchttier und der Hund ein Jagdtier. Es kann deshalb auch sein, dass der Hund das Pferd angreift, wenn Sie ihm nicht genügend Aufmerksamkeit schenken. Möglicherweise wehrt sich das Pferd auch gegen den Hund, legt die Ohren an oder schlägt nach ihm. Da muss der Mensch korrigierend eingreifen und beide Tiere zur Vernunft bringen. Seien Sie immer absolut konsequent!
Auch das Pferd muss in der Nähe des Hundes ruhig bleiben, vor allem wenn der
Hund mit den Vorderpfoten am Pferd hochspringt, damit der Reiter den Hund
ableinen kann. Für das Pferd ist es nicht einfach, dabei ruhig zu bleiben. Darum ist eine gute vertrauensbildende Grundausbildung für das Pferd Voraussetzung. Der Reiter kann natürlich auch absteigen, um den Hund ab- beziehungsweise anzuleinen, was vor allem bei kleinen Hunden sowieso
erforderlich ist.
Keine Jagdspiele auf der Koppel. Damit der gegenseitige Respekt, aber auch
das Vertrauen aufgebaut werden kann, sollten Sie vermeiden, Ihren Hund auf der Koppel des Pferdes frei laufen zu lassen. Der Hund könnte die Gelegenheit nutzen, das Pferd zu jagen und das Pferd könnte nach dem Hund schlagen. Der Mensch hat dann nicht den notwendigen Einfluss auf beide Tiere, der jedoch sehr wichtig ist, um ein harmonisches Miteinander zu erreichen.
Wenn sich beide Tiere gegenseitig respektieren, können Sie auch mit Leine ausreiten, um den Hund auf den Hindernisparcours vorzubereiten und ihm beizubringen «bei Huf» zu laufen. Verwenden Sie hierzu aber keine Flexileinen und auch kein normales Halsband. Sollten Sie mal mit der Leine korrigierend eingreifen müssen, würden Sie den Hund würgen. Wählen Sie lieber ein Brustgeschirr für die Ausflüge mit Pferd.
Wenn Sie Ihren Hund «bei Huf» laufen lassen können, gehen Sie nochmals auf die Arbeit am Boden zurück und erklären Ihrem Hund die Hindernisse.
Reibungsloses Zusammenspiel
Pferd und Hund beim gemeinsamen Trab um die Pylonen. Anweisungen vom Pferd aus:
Für den Gang über die Hundewippe muss der Reiter den Hund präzise dirigieren können-diese zu überwinden, indem er darüber und nicht daneben vorbei läuft. Legen Sie zunächst Ihren Hund vor dem Hindernis ab («Platz und Bleib»). Gehen Sie über die Brücke voran und lassen den Hund dann zu Ihnen herkommen («Hier»). Versucht er das Hindernis zu umgehen, verdeutlichen Sie ihm den Fehler mit einem bestimmten «Nein» und führen ihn wieder auf die Ausgangsposition zurück. Sobald er begriffen hat, dass er über die Brücke
laufen soll, dürfen Sie ihm ein Leckerli oder ein Spielzeug geben, um ihn zu loben. Natürlich darf das verbale Lob dabei auch nicht zu kurz kommen.
Wenn diese Version funktioniert, versuchen Sie es, den Hund über die Brücke
voraus zu schicken. Zeigen Sie mit dem Zeigefinger über die Brücke und rufen
«voraus» oder «lauf». Nach der Brücke soll sich der Hund selbstständig ablegen. Sicher benötigen Sie zunächst noch zusätzlich das Kommando «Platz». Folgen Sie dem Hund über die Brücke und loben ihn, sobald die Übung erfolgreich war.
Die Hindernistechnik
Sprünge oder Überreitstangen soll derHund «bei Fuss» bewältigen, also mit der Schulter auf Höhe Ihres Beines laufen. Das ist auch die ideale Position, wenn Sie auf dem Pferd sitzen. Die Überreitstangen sollen etwas länger sein, damit Pferd und Hund nebeneinander gut Platz haben und der Hund nicht dazu veranlasst wird, neben den Stangen zu laufen. Dies gilt natürlich bei allen Aufgaben, bei denen der Hund «bei Fuss» läuft.
Bei der Slalomübung ist es sehr wichtig, dass der Hund immer auf einen angemessenen seitlichen Abstand -- zunächst zu Ihnen bei derÜbung am Boden, dann zum Pferd -- achtet. Das erfordert einige Übung.
Grundsätzlich eignet sich jede Hunderasse für den Horse and Dog Trail.
Die Aufgabenstellung sollte aber vom Veranstalter so gewählt werden, dass jeder Hund -- gleich welcher Grösse -- in der Lage ist, die Hindernisse zu bewältigen.
Perfekte Kontrollevom Sattel aus
Das Ziel des Horse and Dog Trails ist in erster Linie, eine harmonische Zusammenarbeit zwischen Reiter, Pferd und Hund zu erreichen. Nur ein perfektes Team kann einen Trailparcours meistern. Der Reiter leint vor dem ersten Hindernis seinen Hund ab. Nun muss er in der Lage sein, den Hund vom Pferd aus zu kontrollieren. Darin liegt die Hauptschwierigkeit.
Nur wenn Pferd und Hund ihre Basisausbildung durchlaufen haben, ist dies möglich. Mit dem Horse and Dog Trail erhält auch der Hund seine Aufgabe
in der Mensch-Pferd-Beziehung. Und Hunde fordern eine Aufgabe für sich. Allerdings sollte das Training nicht in stupides Arbeiten ausarten, sondern soll dem Hund Spass machen (dem Reiter und dem Pferd natürlich auch!). Deshalb müssen Sie das Training gut dosieren.
Besonders ehrgeizige Trios können die Anforderungen des Horse and Dog Trails soweit steigern, dass der Hund durch Reifen springen muss oder Dinge apportieren soll. Das sind allerdings schon Höchstschwierigkeiten.
Man kann aber auch schon damit zufrieden sein, dass Reiter, Pferd und Hund eine gemeinsame Aufgabe in harmonischem Einklang zu meistern
imstande sind.
Genügend Platz
Wenn Pferd und Hund ein Hindernis gemeinsam bewältigen, muss seitlich genügend Platz vorhanden sein.
Gemeinsame Freude Ein kleiner Sprung macht Pferd und Hund gleichermassen Freude.Infos: Sabine Lang, Helmensteiner Str. 3, D-86983 Lechbruck, Telefon +49 (0) 175 598 87 99, www.sabinelang.de Für dieSchweiz: Priska Mathys, Telefon 062/876 20 78, Email priska@die-tierheilpraxis.ch
