Horse & Dog Training für Tierbesitzer
(Journalistin Karin Walz)
Pferd, Hund, Mensch -- ein Dreiecksverhältnis der besonderen Art und Ausgangspunkt für viele Stresssituationen in Reitanlagen und bei Ausritten. Sabine Lang versteht sich als Dolmetscherin. Denn alle drei "Säugetiere" sprechen nicht nur verschiedene Sprachen, sondern waren noch in der Eiszeit Jäger und Gejagte. Wildpferde standen auf dem Speiseplan von Wolf und Mensch. Und gelegentlich wurde aus dem Jäger Menschen eine Beute für ein Wolfsrudel. Doch dem Menschen gelang es, zunächst den Wolf und dann das Wildpferd zu domestizieren. Wenn Lang heute mit ihrem Pferd Buddy und dem Mischlingshund Nanuk ihre "Horse & Dog Vorführungen" vor Publikum präsentiert, sieht es so aus, als seien die früheren Feindschaften erloschen: kein Knurren, lautes Bellen, Zwicken in die Pferdebeine oder Ausschlagen mit den Hufen. "Es sieht zwar einfach aus," kommentiert die 24-Jährige ihre Auftritte, "aber dahinter steckt viel Arbeit". Zunächst müsse der Mensch die
Körpersprache und Laute beider Tierarten einordnen können, um richtig und schnell darauf zu reagieren. Mit dem Kommandotraining beginnt die geborene Füssenerin zunächst am Boden, erst einzeln, dann im Team.
Erst danach steigt sie aufs Pferd. Denn in dieser Position ist die Kontrolle des Hundes schwieriger als auf gleicher Höhe. Klappt die Team-Kommunikation in der Reithalle oder auf dem Sandplatz, steht -- bei genügender Kondition von Pferd und Hund - einem gemeinsamen, stressfreien Ausritt nichts mehr im Weg.
Um dieses Ziel zu erreichen, so die Westernreiterin, benötige der Tierbesitzer drei Eigenschaften: Wissen, die richtige Einstellung und Herz. In der Arbeit mit den vierbeinigen Partnern bedeute dies einen liebevollen, gerechten und konsequenten Umgang, der auf gegenseitige Achtung und Respekt basiert. Erst dann entstünde ein solides Vertrauensverhältnis, die Grundlage, um als menschliches "Alphatier" zwischen Hund und Pferd als Dolmetscher fungieren zu können. Dazu muss der Besitzer oder die Besitzerin als
"Führungskraft" drei wichtige Emotionen vermitteln können: Sicherheit, Geborgenheit und Orientierung.
Das alles hört sich nach konzentrierter Arbeit an. Ist es auch, doch für Lang steht noch ein anderer Aspekt im Mittelpunkt: Spaß für Mensch und Tier. Dem sechsjährigen Rüden Nanuk und dem 8-jährigen Wallach
Buddy bereitet es sichtliches Vergnügen, miteinander Fußball zu spielen. Allerdings nur so lange, bis Nanuk mit seinen Zähnen die Luft aus der großen Plastikkugel lässt und diesen kräftig schüttelt. Eine aggressive
Gebärde, die das Quarterhorse sichtlich irritiert, aber dank Langs beruhigendem Einfluss nicht aus der Fassung bringt. Signalisiert Nanuks Körpersprache "Freundschaft", hat Buddy auch nichts dagegen, wenn
Nanuk es sich auf dem Westernsattel bequem macht. Wichtig sei es auch, so Lang, den Hund -- besonders wenn es sich um bewegungsfreudige Rassen handle - im Gelände auch mal kontrolliert springen zu lassen.
Seit 2001 der erste "Horse & Dog Trail" auf Turnieren der EWU (Erste Westernreiter Union Deutschland e.V.) angeboten wurde, sind die Drei mit großem Erfolg am Start. Pferde dürfen bei dieser Gehorsam- und
Geschicklichkeitsprüfung ab vier Jahren, Hunde ab zwei Jahren startberechtigt. Aus Tierschutzgründen sind Stachelhalsbänder verboten und Kettenhalsbänder nur erlaubt, wenn sie nicht auf Zug angeleint sind. Lang bevorzugt das Brustgeschirr, da diese weniger auf den Halswirbel und auf den Hunderücken, sprich Bandscheiben einwirken. Verboten sind auch Flexileinen, da diese leicht zu Wurfgeschossen werden können. Im Wettkampf kommt der Hund angeleint in den Parcours, erledigt mit dem Pferd die Übungen frei und verlässt ihn dann wieder an der Leine.
Inzwischen melden sich immer mehr Reiter für diese Disziplin an. Gut für die Trainerin, den dadurch steigt die Nachfrage nach ihren Kursen, ob für den Turniersport oder für die Freizeit. Denn in beiden Fällen gilt: Wenn Hund, Pferd und Mensch sich gut verstehen, bedeutet dies nicht nur mehr Harmonie und Spaß, sondern auch mehr Sicherheit für alle Beteiligten.
Weitere Informationen unter www.sabinelang.de, Mobil 0175/5988799.
