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Vielseitigkeit Reiten

Die Military - auch Vielseitigkeitsprüfung - nennt man häufig „die Krone der Reiterei". Wohl auch mit einer gewissen Berechtigung, denn Pferd und Reiter starten in den Disziplinen Dressur, Geländereiten und Springen. Die Ergebnisse der einzelnen Prüfungen werden dann zusammengezählt.

Die Geschichte
Die Geschichte der Military geht auf die Distanzritte der berittenen Truppen zurück. Deutsche, österreichische und ungarische Offiziere ritten 1892 von Berlin nach Wien. Das waren 580 km, die sie in 6 Tagen bewältigten. Diesen Dauerritten folgten später Konditionsprüfungen in Form von Jagdgalopps auf Rennbahnen, sowie Querfeldeingalopps mit eigens dafür aufgebauten Hindernissen.
Die erste „militaryähnliche" Veranstaltung war das Championnat du Cheval d´Armes, das 1902 in der Nähe von Paris stattfand. Es umfaßte eine Dressuraufgabe, ein Hindernisrennen, eine 48 km lange Geländestrecke und ein Springen. Anfangs nannte man die Disziplin „kombinierte Prüfung". Sie wurde 1912 zu den Olympischen Spielen in Stockholm zugelassen. Zur Olympiade 1936 in Berlin wurde die heute bestehende Form der Military erstmals durchgeführt.

Die Ausrüstung
In der Dressur wird der Reiter mit Frack und Zylinder ausgestattet und im Gelände wird dieses Outfit gegen einen Military-Helm (mit Überzug) und eine Schutzweste eingetauscht. Zusätzlich aber nicht vorgeschrieben gibt es zum Schutz verschiedene Arm- und Schulterprotektoren sowie einen Nackenschutz. Das Mitführen einer Medical Card ist international vorgeschrieben. Sie enthält wichtige Daten des Reiters bei einer Notfallversorgung z.B. Allergien und Blutgruppe.
Das Pferd wird mit Stollen an den Hufeisen versehen, die für einen besseren Griff im Boden sorgen sollen. Die Beine und teilweise auch unteren Körperpartien des Pferdes werden mit einem speziellen Gel bestrichen, das vor oberflächlichen Verletzungen schützen soll.

Das Vielseitigkeitspferd
In den meisten Fällen sind Vielseitigkeitspferde entweder Warmblüter mit höherem Vollblutanteil oder reine Vollblüter. Sie müssen rittig, verlässlich und kühl im Kopf sein. Bei der Dressur müssen sie sich hervorragend konzentrieren und noch dazu elegant aussehen. Dennoch für die Geländestrecke müssen sie entsprechend gut ausbalanciert, wendig, mutig und sehr aufmerksam sein, über den nötigen Mut und hohe Leistungsbereitschaft verfügen, schnell galoppieren können und beim Springen sowohl Konzentration als auch Sprungkraft besitzen.

Das Geländereiten
Sobald eine gewisse Sicherheit im Grundsitz und in der Hilfengebung gegeben ist, kann das Reiten im Gelände anfangen. Das Bergauf- und Bergabreiten bringt den Reiter unbemerkt zu einer verbesserten Schenkellage und einem festeren Knieschluss. Er lernt schneller und besser, mit der Bewegung des Pferdes mitzugehen, da er sich immer wieder neu ausbalancieren muss d.h. Er muss sich jederzeit dynamisch den unterschiedlichen Veränderungen der Schwerpunktlage anpassen können. Das Überwinden von Geländehindernissen sollte erst dann in die Ausbildung miteinbezogen werden.
Bei einem Geländeritt, dem Kernstück einer Vielseitigkeitsprüfung, kommt es darauf an, in einer bestimmten Zeit bzw. in einem bestimmten Tempo eine Geländestrecke mit unterschiedlichsten Geländehindernissen möglichst harmonisch, Kräfte sparend und sicher zu überwinden. Dabei sind gleichmäßiges Grundtempo, gleichmäßiger Rhythmus und ein gut ausgebildetes Pferd mit einem ebenso ausbalanciert sitzenden Reiter von großer Bedeutung. Die Kondition von Reiter und Pferd und das gegenseitige Vertrauen müssen systematisch im Training gefördert werden. Es ist auch wichtig, dass den Pferden genügend Zeit gegeben wird, die Geländehindernisse kennen zu lernen. Hindernisse im Gelände sind z.B. Auf- und Absprünge, Tiefsprünge, Gräben, Wassereinsprünge, Naturhindernisse wie z.B. Baumstämme, kleine Steinwälle sowie mobile Geländehindernisse.

Der Aufbau der Prüfung
Die einfacheren und mittelschweren Vielseitigkeitsprüfungen finden an einem Tag statt und beginnen mit der Dressurprüfung; dann folgen das Springen und zum Schluß die Geländestrecke. Die Prüfungen auf nationale, internationale und olympische Ebene erstrecken sich über drei Tage. Es wird auch hier mit der Dressur begonnen. Die zweite Prüfung ist eine Geländeprüfung, bei der es auf Ausdauer, Geschicklichkeit und Schnelligkeit ankommt. Die letzte Prüfung ist das Springen eines Parcours in der Halle oder auf dem Springplatz.
Bei der Dressur werden der Gehorsam und die Willigkeit gegenüber den Reiterhilfen geprüft, bei der Geländestrecke Kraft, Leistungsbereitschaft, Mut und Schnelligkeit und beim anschließenden Springen muss das Pferd beweisen, dass es nach der anspruchsvollen Geländestrecke noch genügend Geschmeidigkeit, Konzentration und Kraft besitzt, um einen Parcours auf engem Raum zu springen.
Dressur und Springen sind eigenständige Disziplinen, die als Teile der Vielseitigkeitsprüfungen natürlich nicht auf dem hohen Niveau von reinen Dressur- oder Springprüfungen stattfinden.
Die Geländestrecke steht im Mittelpunkt der Vielseitigkeit und die Ergebnisse des Geländeritts haben großen Einfluss auf das Gesamtergebnis.
Die Gesamtwertung einer Vielseitigkeit erfolgt nach Fehlerpunkten. Bei der Dressur ist der niedrigste Punktestand der beste. Die Weltbesten des Sports liegen oft mit ihren Dressurergebnissen bei unter 30 Fehlerpunkten. Hinzu kommen jeweils Hindernis- und Zeitfehler aus Gelände und Springen, wobei Hindernißfehler im Gelände mit 20 Fehlern und mehr angerechnet werden, im Springen nur mit 4. Ein Überschreiten der vorgegebenen Zeit beim Absolvieren der Geländestrecke führt zu Strafpunkten, ein Sturz des Pferdes im Zusammenhang mit einem Hindernis führt bei internationalen Prüfungen zu dessen Schutz zum sofortigen Ausschuss.

Die Hindernisse
Im Gegensatz zu den Hindernissen im Springparcours sind die Hindernisse auf der Geländestrecke stabil. In den ersten Vielseitigkeitsturnieren war die Strecke so angelegt, dass Hindernisse bewältigt werden mussten, die dem Reiter damals tatsächlich im Weg standen: gefällte Bäume, ein breiter Bach, Hecken und Zäune. Die Hindernisse sind heute zwar künstlich und nach sportwissentschaftlichen Erkenntnissen aufgebaut, sollten aber „natürlich" wirken. Das Besondere am Geländeritt ist nicht die Höhe der Hindernisse, sondern viel mehr ihr optischer Eindruck auf die Pferde. Die immer unterschiedlichen Entfernungen der Hindernisse und die natürlichen Gegebenheiten wie Bodenwellen, Gräben, Flussläufe, Wald und Wiese dürfen die Pferde nicht erschrecken.

Die Geländestrecke
Die Geländestrecke einer Vielseitigkeitsprüfung erfordert völlige Harmonie zwischen Pferd und Reiter. Die Hindernisse sind so trickreich platziert, dass das Pferd beim Absprung nicht abschätzen kann, wo es landen wird. Ohne absolutes Vertrauen darauf, dass sein Reiter nichts Unmögliches von ihm fordert, wird es nicht ins Ungewisse springen.
Die Vielseitigkeitsprüfung kam in die Kritik, weil bei manchen Wettbewerben den Pferden und Reitern zu viel abgelangt wurde. So kam es zu einigen tödlichen Unfällen. Danach wurden die Strecken und Hindernisse entschärft und verkürzt. Die sogenannten Langprüfungen, bei denen die Pferde viel längere Strecken zu absolvieren hatten, wurden inzwischen abgeschafft. Es wird nur noch die Kurzdistanz geritten, die aus einer Wegstrecke und einem anschließenden Querfeldeinritt mit festen Hindernissen besteht. In Hongkong war die olympische Geländestrecke knapp 4600 Meter lang und mit 39 Sprüngen ausgestattet.

Weniger Gefahr für Pferd und Reiter
Den Reitern werden auf dem Gelände für eine schwierige Passage oft zwei Wege angeboten - einen kürzeren, schwierigen und einen längeren, einfacheren. Wählt der Reiter mit seinem Pferd den längeren Weg, braucht er mehr Zeit, schont aber vielleicht sein Pferd. So können die Reiter die Fähigkeiten ihrer Pferde besser einsetzen.
Außerdem wurden strengere tierärztliche Untersuchungen eingeführt, die sicherstellen sollen, dass die Pferde nach der Dressur- und vor allem nach dem Geländeritt noch völlig gesund und nicht überfordert sind. Bei der Verfassungsprüfung nach dem Geländeritt wird zum Beispiel genau untersucht, ob ein Pferd verletzt ist, ob es den Ruhepuls nach einer bestimmten Zeit wieder erreicht und wie es um seinen Wasserhaushalt bestellt ist. Ist Pferd oder Reiter angeschlagen, wird ein Paar aus der Wertung genommen.

Die Internationale Reiterliche Vereinigung (FEI) bezeichnet die Military als „die vielseitigste Pferdeprüfung überhaupt". Vom Reiter verlangt diese Disziplin ein umfassendes Wissen, große Erfahrung in allen Sparten der Reiterei und eine genaue Kenntnis der Fähigkeiten seines Tieres, vom Pferd hingegen eine ausgezeichnete und vielfältige Ausbildung sowie Intelligenz und Leistungsbereitschaft.

1 Beitrag
28/09/2009, 10:14
Hallo Leute!
Weiss jemand wo kann man die Software für Geländeritt anschauen?
Danke für die Hilfe und mfG StopWatch.de-Team
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