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Pferdekauf

Die Rechtslage
Seit Januar 2001 gilt im Pferdehandel die „Verbrauchsgüterkaufrichtlinie" der Europäischen Union. Ein privater Käufer hat Anspruch auf eine „mangelfreie Sache". Als mangelfrei wird ein Tier dann bezeichnet, wenn es beim Kauf, die vereinbarte Beschaffenheit hat, wenn es sich für die nach dem Vertrag vorausgesetzte Verwendung eignet oder wenn es sich für die gewöhnliche Verwendung eignet oder wenn es eine Beschaffenheit aufweist, die bei Tieren gleicher Art üblich ist und die der Käufer nach Art des Tieres erwarten kann (ein Reitpferd muss also ein reitbar sein und die Zuchtstute also zuchttauglich sein).

Im Fall eines Mangels kann der Käufer nach dem neuen Recht Nacherfüllung verlangen und dazu entweder auf Beseitigung des Mangels bestehen oder eine Ersatzlieferung fordern. Bei Pferden ist es mit mehr Schwierigkeiten verbunden als bei einer normale Kaufsache wie eine Waschmaschine und demnach oft genug zum Scheitern verurteilt. Trotzdem steht der Pferdekäufer drei Optionen:
-Er kann das Pferd zurückgeben und erhält den vollen Kaufpreis erstattet
-oder er kann den Kaufpreis mindern
-und er kann zudem noch Schadenersatz fordern für Ausbildungskosten, einen eigens angefertigten Maßsattel, Tierarztbesuche....
Grundsätzlich muss der Käufer beweisen, dass ein Mangel besteht und dieser Mangel auch schon zum Zeitpunkt der Übergabe des Pferdes vorlag. Jedoch ist eine Beweiserleichterung zugunsten des Käufers in der Verbrauchsgüterkaufrichtlinie vorgesehen. Verkauft ein gewerblicher Verkäufer ein Pferd, bei dem sich innerhalb von 6 Monaten ein Sachmangel zeigt, so wird angenommen, dass dieser Mangel schon zum Zeitpunkt der Übernahme vorhanden war. Von dieser Beweislastumkehrregel gibt es nur eine Ausnahme, wenn die Vermutung „mit der Art der Sache oder der Art des Mangels unvereinbar ist" wie zum Beispiel bei einer Infektionskrankheit lässt sich der Zeitpunkt der Infizierung nicht ohne weiteres klären.

Die Verjährung beträgt zwei Jahre. Eine Verkürzung dieser Frist oder gar einen Ausschluss können nur private Käufer und Verkäufer untereinander vereinbaren: „Verkauft wie gesehen und probegeritten".
Koppen oder Periodische Augenentzündung sind immer noch ein Grund zur Wandlung des Kaufes oder Wertminderung, spricht Rückgabe des Pferdes oder Preisnachlass. Allerdings sind diese Erscheinungen kein „Hauptmangel" mehr sondern ein Makel, der ein Pferd zu einer nicht mangelfreien Sache macht.


Die Checkliste für sein Traumpferd

  1. Verwendungszweck
    Wird ein Pferd mit Grand-Prix Potenzial gesucht oder ein braves, ruhiges Familienpferd ?
  2. Rasse und Abstammung
    Für welche Rasse man sich entscheidet, hängt auch mit dem Verwendungszweck zusammen. Bei aller Vielseitigkeit von Pferden: wer den PRE, der auf Kurzstrecken schnelle Sprints hinlegt oder den springgewaltigen Quarter Horse sucht wird vermutlich nicht fündig werden.
    Beim Verkauf macht sich die Abstammung als preistreibendes Argument und als Anhaltspunkt in der Zucht. Trotzdem in der Praxis gilt: Auf dem Papier lässt sich schlecht reiten. Wer ein Dressurpferd oder Springpferd oder Westernpferd oder, oder sucht der darf nur betrachten was vor ihm steht.
  3. Preis
    Das Angebot ist groß und die Zeiten sind schlecht. Trotzdem heißt es fair bleiben. Die Aufzucht und Ausbildung eines Pferdes kosten Geld und das will ein Verkäufer halt auch irgendwann einmal wiedersehen.
  4. Alter
    So sollte es sein: Anfangen auf einem erfahrenen Lehrpferd und junges Pferd nur für erfahrene Reiter. Klar, ein „rohes" Pferd kostet weniger als ein fertiges aber die Ausbildung eines jungen Pferdes stellt besondere Anforderungen an Können und Geduld sowie Erfahrung. Fehler in der Grundausbildung eines Pferdes lassen sich oft schwer wieder beheben. Das ist eine Verantwortung, der man sich bewusst und der man gerecht werden muss. Solche Fragen mussten mit einem klaren „Ja" beantwortet werden:
    -Hat der Reiter genügend Zeit, um sich einem jungen Reitpferd täglich zu widmen und seine Erziehung und Ausbildung konsequent zu betreiben ?
    -Bietet die Reitanlage genügend Möglichkeiten, um den erhöhten Bewegungsbedürfnis eines jungen Pferdes nachzukommen (Ausreitgelände, Weide, Paddocks)
    -Gibt es einen geeigneten Ausbilder oder Trainer, der regelmäßig die Fortschritte überprüft und in schwierigen Phase gebenenfalls korrigierend eingreifen kann ?
  5. Geschlecht
    Solche Klischees wie: Stuten sind zickig, Hengste reiten macht einsam und Wallache sind langweilig sind nicht von ungefähr enstanden aber sie müssen nicht immer zutreffen. Stuten sind sicherlich eher hormonellen Schwankungen unterworfen als Wallache aber deshalb hängt eine vermeintliche Zickigkeit sicherlich nicht immer damit zusammen. Hengste bedürfen in jedem Fall besonderer Konsequenz im Umgang. Auch in der Haltung stellen sie besondere Anforderungen, nicht zuletzt was Weide und Transport angeht.
  6. Typ und Farbe
    Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Für den Einen kommen nur dunkle Pferde ohne Abzeichen in Frage. Aber im Grunde genommen heißt es: ein gutes Pferd hat keine Farbe !
    Wichtig ist, dass mein sein Pferd gern anguckt. Es muss ein Funke da sein, der überspringt, das gewisse Etwas.
  7. Teamfähigkeit
    Reiten ist Teamwork.Was für ein Typ bin ich ? Welches Pferd passt zu mir ?
    Wer sich als Reiter eher vorsichtig einstuft, wird mit einem draufgängerischen Pferd wahrscheinlich nicht sehr glücklich.
    Gerade beim Reiten ziehen sich Gegensätze nicht immer an.

Ausprobieren
Beim Ausprobieren muss der Kaufinteressent auf folgenden Punkten achten:

  • Es versteht sich von selbst, dass Anfänger sich nicht auf ihr alleiniges Gefühl verlassen sollten, sondern ihren Reitlehrer ebenfalls ausprobieren lassen.
  • Selbst erfahrene Reiter sollten selten auf einen kundigen Begleiter verzichten.
  • Beurteilung der fachlichen Kriterien:
    *das Exterieur: Ganaschen, Halsansatz, Schulter, Hinterbein..... (siehe  das Exterieur)
    *das Interieur: An den Umgangsformen lässt sich Charakter erkennen. Es heisst, dass der Käufer das Putzen und Satteln im Stall nicht verpassen sollte.Wie benimmt sich das Pferd im Stall ? Macht es einen ausgeglichenen Eindruck ? Steht es ruhig beim Putzen ? Wenn nicht, woran liegt es ?Gibt es ohne Probleme alle vier Hufe ? .... (siehe Pferde mit "Untugenden")
    *die Ausrüstung: Was für ein Gebiss wird benutzt ? Warum ist das Reithalfter so festgeschnallt, dass das Pferd kaum noch Luft bekommt ? Solche Ausrüstungsgegenstände wie den Gebrauch von Gamaschen, Streichkappen, Bauchschonern und ähnlichen Zubehör gehören fuer viele selbstverständlich dazu, aber es könnte auch sein, dass es andere Gründe dafür gibt, zum Beispiel dass das Pferd etwas dusselig ist und sich selbst in die Hacken tritt.
  • Der Verkäufer muss zuerst das Pferd reiten und wie gewohnt vorbereiten. Dabei muss der Käufer nicht nur die Bewegungen und das Benehmen des Pferdes erfassen sondern darauf achten wie das Pferd sich löst und wie lange die Lösungsphase dauert. Aufschlüsse gibt auch ein Blick auf den Reiter: Wie sitzt er und wie unterscheidet er sich vom Kaufinteressenten ? Wenn der Sitz unruhig ist, dann gibt es Hoffnung, dass das Pferd sich sicher und wohler fühlen wird bei dem Käufer; Wenn der Verkäufer sehr stark ist und viel Kreuz und Schenkel benutzt, dann  sieht es schon schlechter aus, wenn der Kaufinteressent nicht mithalten kann.
  • Beim Probereiten: Das Pferd wird in allen drei Grundgangarten geritten und auf seine Rittigkeit und seinen Ausbildungsstand und seine Reaktionen getestet. Um zu kontrollieren ob das Pferd zuverlässig ist, kann es auch angeraten sein, das Dressurpferd oder das Springpferd mal nach draußen zu nehmen. Wenn das Pferd sich bei jeder Pfütze verspannt, wie soll das erst bei vielen Regenschirmen am Viereckrand werden ? Es kommt nicht darauf an, ein Pferd beim Ausprobieren bis an Höchstgrenzen ru fordern, sondern auf die Manier, in der es die ihm gestellten Aufgaben erfüllt. Entscheidend ist im jedem Fall das Sitzgefühl, der Komfort.


Vielen Fragen stellen und das Pferd gründlich testen ist keine unzumutbare Neugier sondern die einzige Gelegenheit bevor man sich unterscheidet das Pferd zu kaufen oder nicht zu kaufen. Und neben allen fachlichen Kriterien, sollte der Kaufinteressenten beim Ausprobieren auch auf sein Bauchgefühl hören.

Das Exterieur
Mit Exterieur bezeichnet man das Gesamterscheinungsbild eines Pferdes. Wenn ein Pferd korrekt gebaut ist, kann es sich von Natur aus leichter bewegen, ist geschmeidiger und weniger verletzungsanfällig.
Kleinere Fehler sind akzeptabel. Größere Fehler hingegen sollte man nicht in Kauf nehmen, denn sie können bei Leistungsanforderungen zu gesundheitlichen Problemen führen. Ein gutes Gebäude ermöglicht es dem Pferd,
mühelos im Gleichgewicht zu gehen und sich ökonomisch zu bewegen.

  1. Der Kopf:
    Der Kopf sollte zum Körper passen. Er stört die Gesamterscheinung, wenn er zu groß ist. Die Augen sollten strahlend und groß sein. Man muss auf ausreichende Gamaschenfreiheit achten, damit man das Pferd
    leicht an den Zügel stellen und es auch in der Anlehnung frei atmen kann.
  2. Der Hals:
    Er sollte lang und schön gebogen sein und gut auf der Schulter sitzen. Ein dicker, kurzer und gerader Hals ist unbweglich und stört das Gleichgewicht. Ein Pferd mit einer starken Muskulatur am Unterhals (hirschhals)
    ist schwer zu dirigieren. Eine gerade Schulter begrenzt die Bewegung der Vorhand. Der Widerrist sollte nicht so hoch sein, dass er an den Vorderzwiesel des Sattels stößt, aber auch nicht so niedrig, dass er die Schulterfreiheit beeinträchtigt. Ein zu flacher Widerrist bietet dem Sattel keinen Halt, sondern lässt ihn vor-und seitwärtsrutschen.
  3. Die Brust:
    Besser breit und tief als schmal und eng. Die genannte "Gurtentiefe" bietet Herz und Lunge viel Platz. Der Rippenbogen sollte sich hinter dem Gurt wölben. Ein flacher Rumpf ist schwach und bietet wenig Raum für die Lunge. Das Pferd hast meist wenig Kraft und Ausdauer.
  4. Der Rücken:
    Ein gerader Rücken macht es Pferd und Reiter einfacher. Hohlrücken haben meist wenig Schub- und Tragkraft. Ein kurzer Rücken ist meist stärker als ein langer.
  5. Die Kruppe:
    Die Shrittlänge und die Hinterhandbewegung hängen von der Kruppenform ab. Bei einer geraden Kruppe bewegen sich die Beine hinter dem Körper und haben nicht die Schubkraft wie bei einer abgerundeten Kruppe, die die Beine unter den Körper setzt. Die Kruppe sollte rund und muskulös mit ausreichendem Abstand zwischen Hüfte und Sprunggelenk sein. Eine abfallende Kruppe mit unterentwickeltem Oberschenkel weist im Allgemeinen auf eine geringe Leistungskraft hin. Andererseits ist die abfallende Kruppe bei Gangpferden ein Indikator für die Töltveranlagung.
  6. Die Vorhand:
    Sie muss unbedingt korrekt sein, da sie in Stehen 60 Prozent des Körpergewichts des Pferdes trägt. Der Oberarm sollte lang und außen gut bemuskelt sein. Der Ellenbogen ist eher breit, steht deutlich vom Körper ab und wird zum Karpalgelenk hin dünner. Pferde, bei denen das Karpalgelenk nach hinten durchgedrückt erscheint, verlagern zu viel Gewicht auf die lange Beugesehne und bekommen damit irgendwann Probleme. Das Karpalgelenk selbst muss gerade, breit und flach sein. Sehnen und Bänder sollten gut sicht- und fühlbar sowie deutlich definiert sein. Eine unkorrekte, gebogene Vorhand ist ein schwerer Defekt, der Gelenke und Sehnen übermäßig belastet. Die Fesseln sollten klar und nicht zu weich sein. Gallen sind Anzeichen von Schwäche. Eine weiche und lange Fesselung ist zwar schwächer, hat jedoch eine größere Stoßdämpferwirkung als kurze, steile Fesseln.
  7. Die Hinterhand:
    Die Oberschenkel muskulös, stark und lang sein. Die Sprunggelenke müssen groß und breit und so korrekt wie möglich stehen. Gebogene und kuhessige Hinterbeine sind weich und verhindern durch falsche Gelenkbelastung einen korrekten geraden Gang. Steht das Sprunggelenk zu weit hinter dem Körper kann das Pferd nicht genug untertreten, während eine sichelbeinige Hinterhand zu stark in den Boden tritt.
  8. Die Hufe:
    Sie müssen gleichmäßig geformt sein. Der Strahl sollte klar ausgebildet und die Sohle gebogen sein. Die Hornwand soll geschmeidig und ohne Risse sein. Die Fesseln müssen tief und kräftig sein, da sie als Stoßdämpfer für den Huf dienen. Bei einer zehenweiten Stellung streifen sich die Fesselgelenke; bei einer zehenengen werden die Gelenke zu stark belastet.



Pferde mit "Untugenden"
Sehr wichtig ist das freundliche Wesen des Pferdes. Ein freundlicher Gesichtausdruck und große Augen sollten der erste Eindruck sein. Ein freundliches Tier, das sich dem Menschen willig und vertrauensvoll mit nach vorn gestellten Ohren nähert, ist immer angenehmer als eines, das einem den Rücken zukehrt.
Solche derartiges Benehmen mindert den Wert eines Pferdes erheblich:
-Krippensetzen, Koppen und Weben sind Anzeichen für soziale Störungen

  • Beißen, Schlagen oder Aggression
  • Pferde, die sich nicht einfangen oder nicht aufzäumen lassen wollen
  • Leicht erregbare Pferde, die unablässig in der Box auf und ab gehen
  • Ein Pferd, das seine Ohren zurücklegt und zu treten versucht, sobald man es sattelt oder wenn man den Gurt anzieht, hat Angst oder Schmerzen. Es kann sein, dass es ernsthafte Rückenprobleme hat.

Gesundheit auf dem Prüfstand
Heute werden beim Gesundheits-Check drei Begriffe unterschieden:

A. Die Verkaufsuntersuchung
Ein Verkäufer gibt sie in Auftrag, oft schon bevor ein konkreter Käufer in Sicht ist. Damit kann er wissen wie das Pferd gesundheitlich beschaffen ist, und ob sich der Aufwand einer Ausbildung sich lohnt, für welche Zweck das Pferd genutzt werden soll und wie sich der Preis gestalten könnte. Der Tierarzt erstellt die Dokumentation, die die Grundlage einer konkreten Kaufverhandlung sein kann. Diese Untersuchung schützt vor überraschenden Haftungsansprüchen wegen Sachmangels.

B. Die Ankaufsuntersuchung (AKU)
Geht meistens vom Käufer aus. Verkäufer und Käufer einigen sich über die Übernahme der Kosten beim Tierarzt. Üblich ist die Regelung, dass der Käufer die Rechnung übernimmt, wenn er das Pferd nimmt, und dass der Verkäufer zahlt, wenn der Kauf aus medizinischen Erwägungen nicht zustande kommt. Im Allgemein zahlt allerdings der Käufer. Eine vollständige Untersuchung umfasst zwei Teile: eine klinische und eine röntgenologische Untersuchung. Der Preis der Kaufuntersuchung ist abhängig vom Umfang und kann zwischen 200 Euro und 500 Euro liegen und sogar mehr, wenn besondere Untersuchungen gewünscht werden.
Bei der erste Teil der klinischen Untersuchung wird der Allgemeinzustand (auffällige Tumore und Narben, Augen, die sogenannte PAT -Puls, Atmung, Temperatur- Haarkleid, Haut, Husten, Jugolarvenen, Nasenausfluss, Pflege- und Ernährungszustand) untersucht. Maul, Gebiss und Beine werden geprüft. Dann wird das Pferd in der Bewegung (Schritt, Trab, Galopp) untersucht.
Die zweite Teil der klinischen Untersuchung besteht aus der Provokationsprobe, die als Gradmesse für die Einsatzfähigkeit eines Pferdes gilt. Dabei werden die Gelenke eine Minute lang gebeugt. Dann muss das Pferd auf gerader, ebener und möglichst harte Fläche vortraben.
Die klinische Untersuchung endet mit dem Belastungstest. Dazu sollte das Pferd ausgebunden oder am Hafter in alle drei Gangarten longiert, um Atem, Herz, Kondition und Lunge zu prüfen.
Die Röntgenuntersuchung ist dann angeraten, wenn die klinische Untersuchung Zweifel offen gelassen hat oder wenn ein Pferd für den ganz großen Sport gedacht ist und viel Geld im Spiel ist. 10 bis 12 Röntgenbilder sind Standard; allerdings bei Verkäufen ins Ausland werden generell mehr Aufnahmen angefordert. Es ist möglich und in vielen Fällen ist es tatsächlich auch so, dass die röntgenologisch feststellbaren Befunde sich noch in keinem klinischen Befund äußern, das Pferd also noch keinerlei Ausfallerscheinungen zeigt. Die Röntgenklassen geben an, mit welcher Wahrscheinlichkeit klinische Ausfallerscheinungen zukünftig zu erwarten sind, wobei selbstverständlich auch die Möglichkeit besteht, dass klinische Ausfallerscheinungen trotz einer hohen Röntgenklasse überhaupt nicht zu bemerken sind. Nicht jede röntgenologisch feststellbare Normabweichung zeitigt später klinische Auffälligkeiten.
Der Röntgenleitfaden nimmt eine Unterteilung in vier Klassen vor:


  • Klasse I - Idealzustand: Röntgenologisch ohne besonderen Befund und Befunde, die als anatomische Formvarianten eingestuft werden
  • Klasse II - Normzustand:Befunde, die gering vom Idealzustand abweichen, bei denen das Auftreten von klinischen Erscheinungen in unbestimmter Zeit mit einer Häufigkeit unter 3% geschätzt wird
  • Klasse III - Akzeptanzzustand: Befunde, die deutlich von der Norm abweichen und bei denen das Auftreten von klinischen Erscheinungen in einem nicht vorhersagbaren Zeitraum mit einer Häufigkeit von 5 bis 20 Prozent geschätzt wird.
  • Klasse IV - Risikozustand: Befunde, die erheblich von der Norm abweichen und bei denen künftige klinische Erscheinungen mit einer Wahrscheinlichkeit über 50% zu erwarten sind.

Die Unterteilung in die Zwischenklasse: I bis II, II bis III und III bis IV soll zum Ausdruck bringen, dass unterschiedlichen Tierärzten möglicherweise nach der Deutlichkeit der Befunde und der eigenen Erfahrungen zu unterschiedlichen Ergebnisse kämen.

C.Die Gewährleistungsuntersuchung
Die Gewährleistungsuntersuchung findet nach Abschluss des Kaufvertrages und Gefahrübergangs im Auftrag des Käufers statt. Dabei überprüft der Tierarzt zum einen, ob das Pferd den vertraglichen Vereinbarungen entspricht und zum anderen, ob die objektive Sollbeschaffenheit - gesundheitliche Eignung für den gewöhnlichen oder vertraglichen Gebrauch - gegeben ist. Diese Untersuchung sollte möglichst unmittelbar nach Übergabe des Pferdes stattfinden. Der Tierarzt ist dabei über die vertraglichen Vereinbarungen zu informieren, um die Untersuchung entsprechend den Vorgaben gestalten zu können.