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Interview mit Herrn Christopher Lesko, Pferde Akademie Berlin

GROSSE TIERE: Manager, Vorstände und Geschäftsführer in Führungstrainings mit Shire Horses. Grenzen und Chancen von Leadership-Trainings mit Pferden

Ragnar Seedorf spricht mit Christopher Lesko, dem Leiter der Pferdeakademie Berlin

Falkensee, 17.03.2007

Herr Lesko, Sie leiten die Pferdeakademie Berlin. Können Sie uns in einigen Sätzen Ihr Unternehmen und Ihr Team vorstellen?

Ch.L.: Die Pferdeakademie Berlin bildet das Dach eines europäischen Netzwerkes von Spezialisten rund um die Entwicklungsbedürfnisse von Organisationen, Menschen und Pferden. Unsere Aufgabe ist es, Energien zu bündeln, Kompetenzen und Handlungsspielräume zu erweitern und Hürden zu überwinden.

Wir arbeiten in drei Bereichen mit einem Team internationaler Spezialisten: PERSONAL GROWTH & ORGANIZATIONAL CHANGE: Dieser Bereich wendet sich an Unternehmen, Fach- und Führungskräfte, Geschäftsführer, Mittelständler, Selbstständige und insgesamt an Personen, die an der Weiterentwicklung ihrer sozialen Kompetenzen interessiert sind.

RIDER´S COLLEGE bildet mit einem speziellen Trainings- und Coaching-Angebot eine Plattform für Reiter, Pferdebesitzer, Kutscher, die ihre Beziehung zu ihrem Pferd harmonisieren und weiter entwickeln möchten. Auch, wenn Kunden kein Pferd besitzen, gibt es hier eine Menge zu lernen.

HORSE&EVENT entwickelt und gestaltet Events unter Einbindung von Shire Horses. Kunden sind hier Unternehmen ebenso, wie Privatpersonen, Vereine, Verbände und Familien.

Darüber hinaus führen wir für Interessierte zu bestimmten Themen regelmäßige Einzel-Veranstaltungen durch, die eine Annäherung an das Thema Pferd ermöglichen: Unsere Schnuppertage „Kutsche", „Kind und Pferd" und die Demonstration des indianischen Beziehungstrainings „HORSE TEACHING PEOPLE TM nach GaWaNi Pony Boy", geleitet von Chriss Kremer, gehören dazu.

Jedes Mitglied unseres Teams ist in seinem Kompetenzfeld bekannt und erfahren und gehört -vorsichtig formuliert- qualitativ zu den „oberen 5 Prozent" aller Wettbewerber im jeweiligen Feld.

Herr Lesko, Leadership- und Führungstrainings, Coaching mit Pferden als Trainingspartner für Kunden: Worin besteht der Sinn für, und was können derartige Trainings wirklich leisten?

Unsere Pferde ermöglichen Ihnen einen Zugang zu Ihrer Klarheit, Entschlossenheit und Souveränität im Umgang mit sich und anderen. Der Einsatz von Pferden als Trainingspartner, als Spiegel eigener Wirkung, als Türöffner für die persönliche Weiterentwicklung ist seit langem bekannt und erprobt.

Soweit der positive und wirklich sinnvolle Aspekt: Teilnehmer lernen, erfahren und spüren direkt, wie es mit den Grenzen Ihrer Fähigkeit zu Klarheit und Integration bestellt ist, und wie sich ihre hierfür nötigen Handlungsspielräume erweitern lassen. In vielen Unternehmen „verlernen" im Laufe der Jahre -auf der Wegstrecke des persönlichen Erfolges- Führungskräfte seit Langem ihre Spontaneität und Authentizität. In Unternehmen werden sehr häufig vordringlich Strukturen, Verfahren und Prozesse betont, und man übersieht stets eine einfache Wahrheit des Lebens: Strukturen und Prozesse sind wichtig, damit „das Eigentliche innerhalb einer Struktur" einen Rahmen findet - einen Raum, in welchem es geschehen kann. Eine „Wohnung" etwa lebt durch die Menschen, die in ihr wohnen.

Die Struktur und der Prozess selbst sind nie das Eigentliche. So, wie auch ein Gesetz oder eine Regel nie „das Eigentliche" ist, sondern nur „den Rahmen" bildet.

R.S.: Herr Lesko, was ist denn „das Eigentliche"?

Das, was Menschen innerhalb des Rahmens an „Lebendigkeit" miteinander produzieren - egal, ob Sie privat miteinander zu tun haben, oder gemeinsam innerhalb eines Unternehmens an ihren Zielen und Ergebnissen arbeiten.

Unternehmen, Vereine und auch Familien sind „soziale Systeme" - mit allen angenehmen und auch schwierigen Aspekten von Beziehung. Die Fähigkeit zu einer klaren Gestaltung von Kontakt, Position und eines klaren Umganges mit der Fülle von Konflikten, Konkurrenzen, usw., die „unterhalb der Oberfläche" von Sachthemen vorhanden sind, ist für Führung und Kooperation eine lebenswichtige. Nie dürfen aus unserer Sicht der Rahmen, die Struktur oder die Methode wichtiger werden, als der Inhalt. Das ist lebensfern. Hier kann der Umgang mit einem völlig „fremdsprachlichen Wesen", dem Pferd - an bestimmten Stellen und unter bestimmten Voraussetzungen- für die persönliche Weiterentwicklung wirklich außerordentlich sinnvoll und hilfreich sein.

Pferde verstehen nichts von Mails, Folien - Präsentationen, oder logischen Kausalketten innerhalb von Argumentationen. Sie reagieren auf die Klarheit der Ausstrahlung. Ist die nicht vorhanden, reagieren sie gar nicht, oder zumindest nicht so, wie ihr menschliches Gegenüber es wünscht. Hier hilft im Übrigen auch reiterliche Erfahrung nichts.

Klarheit ist Klarheit. Punkt.

R.S.: Was meinen Sie damit, wenn Sie sagen, „an bestimmten Stellen und unter bestimmten Voraussetzungen" mache die Arbeit mit Pferden für Manager Sinn?

Der Einsatz von Pferden in Führungstrainings / Leadership-Trainings bildet inzwischen einen wachsenden Markt. Lassen Sie mich mit einem Bild antworten:

Stellen Sie sich vor, Sie hätten ein Auto. Irgendwie wären Sie unzufrieden mit Tempo und Spritverbrauch und lesen dann einen Artikel über eine neue Reifensorte, die Ihnen Abhilfe verspricht. Also gehen Sie zum Reifenhändler und kaufen die neuen Reifen. Punktuell verbessert sich sogar durch die Reifen etwas an Ihrem Spritverbrauch und Ihrem Tempo.

Genauer betrachtet etwa auf dem Niveau, als würden bei dauerhaft starken Kopfschmerzen kurzfristig dann die Schmerzen immer dann verschwinden, wenn Sie starke Schmerzmittel zu sich nähmen. Ihrem eigentlichen Ziel sind Ihr Auto und Sie jedoch aus verständlichen Gründen nur kurzfristig ein wenig näher gekommen: Die primäre Kompetenz von Reifenhändlern ist es, Reifen zu verkaufen. Sie jedoch brauchen einen Partner, der etwas von Motor, Getriebe und vielleicht sogar von der Psychologie Ihres Fahrverhaltens versteht - und etwas von Reifen.

Übersetzt auf Ihre Frage bedeutet dies, dass die Entwicklungsbedürfnisse von Menschen und der Umgang mit Spannungsfeldern in Organisationen deutlich breitere und tiefere Kompetenz erfordern, als es mit ausschließlich „einem Pferdetraining" herzustellen wäre. Auf jene Kompetenzen haben wir beispielsweise bei der Auswahl unserer Team-Mitglieder und bei der Konzeption unserer Angebote großen Wert gelegt.

Wir sind keine „Reifenhändler", bieten auch keine „zertifizierten Reifenhändler-Ausbildungen" an. Wir begleiten Menschen, Vorstände und Organisationen (auch ohne das Medium Pferd) seit Jahren mit großem Erfolg.

R.S.: Nun arbeiten Sie ja auch mit Shire Horses, einer eher ungewöhnlichen Pferderasse. Warum eigentlich, und wie kam es dazu?

Natürlich eignen sich prinzipiell sicher viele Pferderassen für eine derartige Arbeit. Zwei unserer vier Pferde sind Shires. Unsere beiden Shire Stuten sind menschenbezogen, sensibel und interessiert. Aber sie sind ab und an ebenso stur und eigenwillig, wie manche Menschen: sie wollen erreicht und überzeugt werden. Beide Stuten sind nicht nur als Wesen beeindruckend, sondern sie haben in der gemeinsamen Arbeit mit unserem Team schon manchem Vorstand, Geschäftsführer, vielen Personen, die in Projekten und Verhandlungen Verantwortung tragen, zu mehr Klarheit, zu konturierter Ausstrahlung und Deutlichkeit verholfen. Sie haben eine lange Erfahrung in Turnieren, großen Show-Veranstaltungen, und vielen, vielen Seminaren, Führungstrainings oder Coaching -Prozessen. Und sie haben vielen Menschen neben persönlicher Weiterentwicklung wirklich tiefe, unverwechselbare Erlebnisse und eine ganze Menge Freude bereitet.

Unsere Pferde hier gehören „zur Familie". Für mich ganz persönlich übrigens ist ein Highlight der Entspannung, mit beiden Stuten vor der Kutsche durch den Wald und über ein Feld zu fahren.

Die Frage, warum gerade Shire Horses, verdient noch eine weitere Antwort: Ich liebe diese Pferde, so platt das vielleicht auch klingen mag.

R.S.: Man hört ja viel über Shire Horses. Riesentiere - Hufe, so groß wie Pizzateller, aufwändige Pflege, usw. Stimmt das?

Na ja...: Wallache können schon sehr groß werden. Aber, da geht es schon los: Das Stockmaß kann mit heruntergelassenem Hals und aufgerichtet gemessen werden. Allein beide Messverfahren produzieren bereits sehr unterschiedliche Ergebnisse.

Die größten, gemessenen Wallache liegen ca. bei zwei Metern Stockmaß, es können auch ein paar Zentimeter weniger sein. Hundertprozentige Objektivität ist bei derartigen Themen immer ein wenig schwierig. Unsere Stuten sind ein wenig kleiner. Sie bekommen Kraftfutter 2-3 mal täglich und genügend Rauhfutter. Sie werden tierärztlich betreut, werden western geritten und gefahren.

Ansprechpartner für alle Fachfragen rund um die Rasse Shire Horse ist übrigens unser Kooperationspartner, der Deutsche Shire Horse Verein. Ratsuchende finden hier kompetente Unterstützung.

R.S.: Stimmt es denn, dass Shire Horses - ähnlich wie bei Hunden- aufgrund ihrer Größe nicht so alt werden?

Nein, das kann man generell nicht so sagen. Ich kenne eine ganze Reihe von „alten" Shire Horses.

R.S.: Wie kann ich denn als Business Kunde für mich sinnvolle von weniger sinnvollen Anbietern unterscheiden? Die Titel der Angebote klingen ja alle ähnlich: Leadership mit Pferden, usw.?

Folgen Sie den Empfehlungen derer, die Sie schätzen. Erinnern Sie sich vielleicht an mein Auto - Beispiel von vorhin. Die (aus meiner sehr persönlichen Sicht) „sinnvollen" Anbieter verfügen über Referenzen bis in die Vorstandsebenen von Unternehmen, auch ohne das Medium Pferd! Fragen Sie nach Referenzen zum Thema Führung / Leadership, usw. - unabhängig vom Thema Pferd und vertrauen Sie im ersten Kontakt Ihrer Intuition.

R.S.: Herr Lesko, würden Sie und das Team der Pferdeakademie Berlin den Besuchern von horse2buy künftig zu einzelnen Fragen für Fachartikel oder Fachthemen zur Verfügung stehen?

Gerne. In kurzer Zeit erscheint hier ein Interview mit Chriss Kremer, dem Freund von GaWaNi Pony Boy, der auf einige Fragen zu sich und zur legendären Methode des Relationship-Trainings „Horse Teaching People TM [HTP]" von GaWaNi Pony Boy antworten wird. Im Weiteren ist an einen Artikel von Chriss zum indianischen Beziehungstraining ebenso gedacht, wie an einen Beitrag von Carolin Franzke (Pferde - Beziehungs- Coach, Trainerin A des Deutschen Tennisbundes und ehemalige Weltranglisten-Spielerin) zum Thema des Coaching im Rahmen der Begleitung des gesamten Systems (Reiter, Pferd, Reitlehrer, usw.). Übrigens ein von ihr entwickelter, innovativer Ansatz, der in Coaching Prozessen mit der Leistungsebene bei Tennis-Profis große Erfolge erzielt.

R.S.: Herr Lesko, Vielen Dank für das Gespräch.

PFERDEAKADEMIE BERLIN: www.pferdeakademie-berlin.de

mail.at.pferdeakademie-berlin.de