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Körpersprache des Pferdes: Weggedrückten Rücken

Was man einem Pferd im Training abverlangen darf, ohne es vom glücklichem zum unglücklichem Athleten zu machen ist keineswegs nur im Spitzensport ein wichtiges Thema, auch der Freizeitreiter muss sich kritisch damit beschäftigen, woran er erkennen kann, ob sich sein Pferd wohl fühlt.
Viele Reitanfänger erleben Pferde nie in natürlicher Umgebung und können deswegen ihren Blick für das natürliche Verhalten nicht schulen. Der normale Schulpferdreiter erlebt selten ein sich unter dem Reiter losgelassen und zufrieden bewegendes Pferd. Meist sieht er Schulpferde, die sich mit dem Unvermögen des Reitschülers arrangieren müssen. Auch im Spitzensport sieht man Bilder, die von Harmonie und „Happiness" des Pferdes weit entfernt sind.
Durch ihr sehr gut entwickeltes soziales „Gespür" nehmen Pferde unsere Impulse sehr genau wahr. Sie spüren instinktiv, was jemand tatsächlich meint und will. Sie fühlen versteckte Aggression, Unsicherheit und Dominanzstreben genauso wie Entspannung, Sicherheit und vollständige Zuneigung. Ihnen kann man nichts vormachen.
Es gibt viele Gründe, die das Verhältnis von Mensch und Pferd trüben können. Da der Mensch an sich gerne alles unter Kontrolle hat, kann er nur schwer akzeptieren, dass das Fluchttier Pferd nicht 100% kontrollierbar ist.

Pferde wollen so harmonisches wie möglich in ihrem sozialen Umfeld ihre natürlichen Bedürfnisse befriedigen. Sie halten sich innerhalb der Herde gerne an die Anweisungen der ranghöherer Kollegen, da diese sehr klar und funktionnell sind. Dies gilt auch im Zusammenspiel mit dem Menschen, wenn es ihm gelingt, in seinen Anweisungen ebenso klar, funktionnel und wertfrei zu sein. Kein Pferd zieht am Zügel, um seinem Reiter das Leben schwer zu machen, oder steht nicht still, wenn es sich aufregt, um den Reiter zu ärgern. Häufig versteht das Pferd einfach nicht, was der Reiter will, weil er widersprüchliche oder unklare Hilfen gibt oder etwas verlangt, was das Pferd noch nicht leisten kann. Da das Pferd aber im Grunde sehr sozial und harmonisch eingestellt ist, können solche Missverständnisse Unsicherheit bis psychischen Stress verursachen.
Reiten lernen bedeutet zu lernen mit Frustrationen umzugehen, da Pferde auf unser Unvermögen, sie nicht in ihren Bewegungen zu stören oder zu viel zu verlangen, manchmal sehr heftig reagieren. Wenn man gut reiten will, muss man seinen eigenen Psychomotorik, Sitzschulung und die richtige Einstellung zum Pferd lernen. Der Psychomotorische Lernprozess des Reiters ist schwierig. Es gilt, seine eigene Asymmetrie (Rechts- oder Linkshändigkeit) zu überwinden, sein eigenes Körperschema neu zu eichen und das Eingehen auf die Bewegung eines anderen zu lernen. Der Reiter muss seine instinktive Angst vor der Bewegung des Pferdes überwinden. Es kostet viel Überwindung loszulassen und sich zu entspannen, wenn man selbst vor Angst erstarrt im Sattel klemmt und das Pferd entsprechend reagiert.

Das Pferd sagt uns meist sehr genau, was wir richtig und was wir falsch gemacht haben, vorausgesetzt, wir verstehen die „Sprache" seines Körpers und seiner Bewegungen. Es ist wichtig, Ver-spannung, Ent-spannung und An-spannung zu unterscheiden und zu erkennen, wann Bewegung fließt und wann sie irgendwo „blockt".
Pferde sind Fluchtiere,die in sehr hoch entwickelten sozialen Verbände zusammenleben, voneinander lernen und miteinander durch Bewegungimpulse und Körperhaltung kommunizieren.
Da das Pferd als soziales Herdentier überaus bereit ist, sich anzupassen, lässt es sich vom Menschen trotz seiner überlegenen Kraft erstaunlich viel bieten. Natürlich behält das weit ausgebildete Pferd, das gelernt hat, seinen Reiter zu akzeptieren, seine natürlichen Instinkte. Der Panikinstinkt kann daher immer wieder aufflackern. Je besser Pferd und Reiter aufeinander eingespielt und der Reiter in der Lage ist, kontrolliert und mit Gefühl körperlich einzuwirken, umso mehr kann er dem Pferd körperlich und psychisch in vermeintlich gefährlichen Situationen Sicherheit geben. Ein vertrauensvolles Pferd gerät dann nicht in Panik, sondern bewegt sich entspannt mit seinem Reiter weiter. Die klassische Reitkunst fordert vom Reiter Sitz und Hilfen, die das Pferd weder stören noch ihm Schmerz zufügen. Man bringt das Pferd darüber hinaus in Körperhaltungen, die ihm helfen, sein Gleichgewicht zu finden und sich wohl zu fühlen. Dadurch kann sich das Pferd besser entspannen und den Menschen auf seinem Rücken ertragen.
Das Beispiel des weggdrückten Rückens illustriert die Zusammenhänge zwischen psychischem und körperlichem Stress des Pferdes sehr deutlich. Ein Pferd drückt in der Natur den Rücken nach unten und reißt Kopf und Unterhals hoch, sobald es sich in Gefahr wähnt. Reitet man ein Pferd längere Zeit mit weggedrückten Rücken, weil der Reiter schlecht sitzt oder im Maul stört, oder weil der Sattel nicht passt, dann bedeutet das für das Pferd neben dem Schmerz im Rücken und der langfristigen Abnutzung auch einen permanenten psychischen Stress. Dies erkennt man an weiteren Körpersignalen: Die Atmung ist unregelmäßig, reißt also die Nüstern auf, die Augen bewegen sich verstärkt, die Ohren wirken sehr unruhig, das Pferd schwitzt, auch an Stellen, die im Training selbst nicht beansprucht werden. Häufig schlägt das Pferd heftig mit dem Schweif. Die Bewegungen wirken hektisch, und unharmonisch.
Wie sich dieser Stress langfristig auf welches Pferd auswirkt, hängt von seiner körperlichen und psychischen Entwicklung ab. Manche Pferde protestieren, andere werden unsicher und wiederum andere ertragen ihr Los: In solchen Fällen sind Magengeschwüre nicht selten.
Stellt man ein aufgeregtes und dadurch von seinem Reiter abgelenktes Pferd kurzfristig etwas runder und tiefer ein, geht auf die Volte und unterstüzt es im taktmäßigen schwingenden Vorwärtsgehen, dann kann man ihm helfen, den Rücken aufzuwölben. Dadurch kann sich das Pferd auch psychisch wiederfinden und auf seinen Reiter konzentrieren. Ist die Aufmerksamkeit und Entspannung wiederhergestellt, kann man normal weiterarbeiten.

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