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Dressur

Die Geschichte
Die früheste, vollständig erhaltene Reitlehre verdankt man dem griechischen Reiterfüher Xenophon (430 - 355 v. Chr.), deren Substanz bis heute Gültigkeit hat. Xenophons Richtlinien legen Wert auf Gymnastizierung und Kräftigung des Tragaparates, körperliche Gesunderhaltung und psychische Unversertheit.

Nach Xenophon vergingen fast zwei Jahrtausende, bis in Europa abermals eine Reitlehre veröffentlicht wurde. Wie Xenophons Richtlinien behandelte diese Reitlehre ebenfalls die dressurmäßige Abrichtung des Pferdes für den Reiterkampf.
Von 1502 bis 1714 wurde der Königreich Neapel von der spanischen Krone beherrscht. Darauf hatte sich ständiger Importe spanischer Pferde eine Mischzucht mit einheimischen italienischen Pferde entwickelt. 1532 wurde die Neapolitanische Reitschule gegründet, die im Verlauf des 16. Jahrhunderts führendes Ausbildungszentrum der adligen Reiterwelt Europas wurde. Reitmeister wie Federigo Griso und Gianbattista Pignatelli prägten den Ruf der Schule als erste Adresse der Reitkunst in Europa.
1550 veröffentlichte Federigo Griso in Neapel seine „Ordini di Cavalcare" (Reitregeln). Leider lässt die freimütige Schilderung der Gewaltanwendung den Schluss zu, dass brutale Unterwerfung des Pferdes mit Marterinstrumenten allgemeine Regel war und niemanden empörte. Grisos Reitregeln blieben für lange Zeit richtungsweisend und wurden europaweit verbreitet.
Pignatelli machte sich berühmt durch die nach ihm benannte Pignatelle, ein Marterinstrument für das Pferdemaul, die bis ins 18. Jahrhundert hinein gebraucht wurde.

Ein Schüler Pignatellis, Antoine de Pluvinel (1555-1620), mochte den gewalttätigen Richtlinien seines Lehrers nicht folgen. Er trat für eine einfühlsame Behandlung des Pferdes ein. Lob und Belohnung hatten für ihn Vorrang. Nach Xenophon war er der erste Reitmeister, der Psyche und Verhalten des Pferdes berücksichtigte und in der Erziehung und Ausbildung einbezog. Pluvinel, der als Akademiker der Reitbahn gilt, stieg sogar zum Rittmeister und Berater König Ludwigs XIII.auf. Das Lebenwerk Pluvinels gipfelte in seiner Reitlehre: „Le Manege Royal par Antoine de Pluvinel".

William Cavendish, Herzog von Newcastle (1592-1676) und englischer Reiteroffizier veröffentlichte seine Reitlehre 1658. Die Erfindung der Schlaufzügel wird ihm zugeschrieben. Sein Buch fand weite Verbreitung und stiftete viel Unheil auf Kosten des Pferdes.

Erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts bahnte sich das goldene Zeitalter der Reitkunst. Francois Robichon de la Guérinière (1688-1751), der seit 1716 eine Reitschule in Paris betrieb wird 1730 der Reitlehrer des französischen Königs, Ludwig XV. und Begründer der Klassischen Reitweise. Drei Jahre später veröffentlicht seine alles überragende Reitlehre „L´Ecole de Cavalerie", die lehnte jede Gewaltanwendung bei der Ausbildung des Pferdes ab und verlangte, dass jedes Pferd individuell ausgebildet werden müsse, so wie es seine Anlagen erfordern. Noch dazu entwickelte er einen flachen Reitsattel, welcher Vorreiter der heutigen Sattel ist. Er verbannte zwingende Hilfszügel, wie den Schlaufzügel und bevorzugte mild wirkende Mundstücke. Vor allem legte er die Dominanz der Hilfen zugunsten der Gewichts- und Schenkelhilfen vor den Zügelhilfen. Er erkannte, dass Losgelassenheit und Durchlässigkeit des Pferdes die Voraussetzungen für die Beantwortung feiner Hilfen und für freiwilligen Gehorsam sind. Die Lektion „Schulterherein" ist seine Erfindung, weil er, um die Steifheit der natürlichen Schiefe des Pferdes auszuschalten für die Gymnastizierung der Längsbiegung in den Seitengängen plädierte. Die Piaffe und damit die Hankenbeuge betrachtete Guérinière als Grundlage aller anspruchsvollen Dressurlektionen. Seine Reitlehre fand einstimmige Anerkennung in Europa und ist mit einigen Abweichungen immer noch richtungsweisend für die Spanische Hofreitschule in Wien.

Leider, im 19.Jahrhundert, löste der Kunstreiter Francois Baucher (1776-1873) die Guérinières humanen und pferdegerechten Reitweise. Bauchers Reittheorien bestanden maßgeblich darin, den Pferden mit Hilfe von Gewalt jeglichen Willen und jede Initiative zu nehmen.

In Deutschland kämpfte der Berliner Stallmeister Louis Seger (1794-1865) mit seinem Schüler Gustav Steinbrecht (1808-1885) gegen diese harten Methoden. Beide wollten die klassische Reitweise in Europa wieder sehen. In 1884 veröffentlichte Steinbrecht das Buch „Das Gymnasium des Pferdes" .

Im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert findet mit dem Aufkommen der Kavallerie und deren Schule in Hannover eine Wendung statt. Diese Schulen wurden zur Pflegestätte der Reitkunst und förderten die Reiterei zur sportlichen Disziplin.

1912 wird auf Initiative des Militärs das Dressurreiten wieder Olympischer Wettbewerb und erstmals in Stockholm ausgetragen. Im selben Jahr werden die Heeresdienstvorschriften veröffentlicht, die die Vorläufer der heute gültigen internationalen FN-Richtlinien sind.


Die
Ausrüstung des Reiters

  • Die Reithose sollte so gut passen, dass sie keine Falten schlägt, aber auch weit genug sein, damit der Reiter genügend Bewegungsfreiheit hat, auch beim Aufsitzen. Für die Dressur-Turnieren muss die Reithose weiß sein.
  • Das Jackett: Gehört zum vorschriftsmäßigen Turnieranzug und auch zur Reitabzeichenprüfung. Es sollte dunkelblau oder schwarz sein. Es sieht nur dann gut aus, wenn es korrekt sitzt. Ist die Rückenpartie zu lang, erscheint der Rücken rund und krumm. Zum weißen Hemd bzw. zur weißen Hemdbluse gehört zur Prüfung eine weiße Krawatte oder ein Plastron. Beides sollte mit einer Schmucknadel festgesteckt werden. Was für den Turnieranzug gilt, hat auch für das tägliche Training Gültigkeit: die Kleidung muss funktionell und zweckmäßig sein. Zu weite, zu lange flatternde Pullis und Jacken sind gefährlich !
  • Die Reitstiefeln: Gut passende Reitstiefeln erleichtern eine korrekte Lage und Einwirkung der Schenkel. Zu steife oder zu enge Stiefeln schränken die Beweglichkeit des Unterschenkels und des Fußes ein.
  • Die Reithandschuhen: Sie verhindern Blasen oder Schwielen an den Händen und erleichtern dem Reiter den sicheren Griff an den Zügeln. Für Turnieren müssen sie weiß sein.
  • Der Helm: Grundsätzlich sollte beim Reiten immer eine bruch- und splittersichere Reitkappe bzw. ein Reithelm getragen werden. Für Junioren ist der Reithelm mit Drei- bzw. Vierpunktbefestigung in Wettbewerben der Kategorie C vorgeschrieben. In Dressurprüfungen der Katergorie B und A sind auch Melone und Zylinder erlaubt.
    Zusätzlich für den fortgeschrittenen Reiter:
  • Die Dressurgerte: Sie darf maximal insgesamt eine Länge von 120 cm haben. Sie sollte elastisch, aber nicht zu weich sein.
  • Die Sporen: Sie sollten ca. 5 bis 6 cm über dem Absatz am oberen Ende der Fersenkappe fest angeschnallt werden, sie dürfen maximal 4,5 cm lang sein.



Die Ausrüstung des Pferdes
Die Grundausrüstung des Pferdes besteht aus Sattel und Zaumung, also Trense oder Kandare. Dazu kommen eventuell Bandagen oder Gamaschen.

  • Der Dressursattel hat lange Sattelblätter, die vorne in langer gerader Linie ohne oder mit nur geringen Pauschen abwärts verlaufen. Der Sattelkranz ist etwas hochgezogen und die Sitzfläche liegt tief, das heißt dicht am Pferderücken.
  • Die Schabracke hat den Zweck den Schweiß des Pferdes aufzusaugen und so den Sattel zu schützen. Sie sollte stets sauber sein und muss faltenfrei auf das Pferd gelegt werden. Für Turnierprüfungen in weiß.
  • Die Trense ist für die Grundausbildung die geeignetste Zäumung und bis Klasse L vorgeschrieben. Die Trensenzäumung besteht aus zwei Hauptteilen: dem Trensenzaum mit Gebiss und Zügeln und dem Reithalfter. Die beiden gebräuchlichsten Reithalfter sind das hannoversche Reithalfter und das kombinierte Reithalfter.
  • Die Kandare dient der Verfeinerung der Hilfen. Voraussetzungen für das Reiten auf Kandare sind:
    * Das Pferd beherrscht sicher die Lektionen und Anforderungen der Klasse L auf Trense
    * Der Reiter ist ebenfalls in der Lage, die typischen L-Lektionen mit einem ausgebildeten Pferd auf Trense zu reiten. Er muss besonders über eine ruhige, unabhängig von der Bewegung seines Rumpfes getragene Hand verfügen.
    Fazit
    : Die wichtigste Voraussetzung für das Reiten mit Kandare ist ein korrekter, ausbalancierter und losgelassener Sitz, der es dem Reiter ermöglicht, vom Sitz unabhängige Zügelhilfen zu geben.
    Grundsätzlich muss beim Reiten auf Kandare die Trense vorherrschen, d.h. Die Trense steht an - die Kandarezügel federn. Durch einem klemmenden äußeren Kandarenzügel verwerfen sich viele Pferde im Genick, besonders in Wendungen.
    Eine zu hohe Handhaltung wirkt aufgrund der Hebelwirkung vermehrt beizäumend und macht das Pferd im Hals eng. Geht das Pferd auf Kandare in korrekter Versammlung, tritt es an das Trensengebiss heran. Das Kandarengebiss dient lediglich zur vorübergehenden Feinabstimmung. Mit der Kandare kann niemals eine „direkte" Versammlung erzwungen werden. Die falsche Anwendung führt immer zu einer verringerten Lastaufnahme der Hinterhand.


Das Reitviereck
Ein Reitviereck für Dressurprüfungen kann zwei verschiedene Größen haben: 20 x 40 m oder 20 x 60 m. In der Grundausbildung und für das Reiten von Aufgaben der Klasse A-L wird üblicherweise auf einem Viereck 20 x 40 m geritten.


Die Reitweise Dressur

Der Anblick vollkommener Harmonie zwischen Pferd und Reiter ist für jeden Pferdeliebhaber eine Freunde. Dressurreiten ist nichts, was man „mal so eben auf die Schnelle" macht.
Dressurreiten bringt zwar Spaß, ist aber keine Fun-Sport-Art und erfordert vor allem eins: Geduld- mit seinem Pferd, mit sich und der gemeinsamen Leistung.
Wer allerdings die notwendige Zeit investiert, viel Liebe zum Pferd hat und die erforderliche Passion mitbringt, wird irgendwann belohnt. In diesem Zustand wird jede Lektion kraftvoll und in korrekter Balance und Grazie durchgeführt, wobei eine Bewegung in die nächste überfließt. Das Pferd wird durch fast unsichtbare Hilfen des Reiters vertrauen- und respektvoll geführt, ohne jeglicher Härte oder Zwang ausgesetzt zu sein. In einer derartigen Partnerschaft gehorcht das Pferd seinem Reiter willig und vertrauensvoll.

Ziel des Dressurreitens sollte sein, Pferd und Reiter in einer harmonischen Partnerschaft zusammenzubringen. Dies sollte vom frühesten Handhaben des Fohlens bis hin zu den Grand-Prix-Lektionen das oberste Ziel sein.
Harmonie zwischen Pferd und Reiter setzt volle Losgelassenheit des Pferdes während der Arbeit voraus. Pferde sind von Natur aus Herdentiere, die dem Leittier (Reiter) vertrauen und ihn respektieren. Der Reiter hat die Aufgabe zu verhindern, dass dieses Vertrauen zerstört wird. Das Pferd soll der Reiter respektieren, aber nicht fürchten.

Die Ausbildung des Dressurpferdes verlangt theoretische Kenntnisse über den Körperbau, das Temperament und die Gangarten des Pferdes sowie über dessen Reaktion auf die Hilfen seines Reiters. Zu oft sieht man im Alltag Reiter, die wütend auf ihren Pferden herumziehen, weil diese die Leistung scheinbar verweigern. Als Reiter muss man die Grenzen seines Pferdes erkennen, um es nicht aus übertriebenem Ehrgeiz zu überfordern. In manchen Pferden steckt eben nur das Talent für A, in manchen auch für L oder M - und nur in ganz wenigen für S und mehr.


Die Skala der Ausbildung

Wer sich in Dressurprüfungen umschaut wird überall gute, durchschnittliche und auch schlechte Leistungen sehen. Außer den unterschiedlichen Prüfungskriterien, gibt es noch eine allgemeine Richtschnur, an der nicht nur die Richter bei ihrer Bewertung sich orientieren soll, sondern nach der sich auch die Arbeit mit einem Pferd richten soll: die Skala der Ausbildung.
Diese Skala besteht aus den einzelnen Elementen:

  1. Takt: Das räumliche und zeitliche Gleichmaß aller Schritte, Tritte und Sprünge. Viertakt im Schritt, Zweitakt im Trab und Dreitakt im Galopp.
  2. Losgelassenheit: Die physische und psychische Gelöstheit des Pferdes. Muss in allen Gangarten und Lektionen bis zum Grand Prix erkennbar sein.
  3. Anlehnung: Die stete und weiche Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul.
  4. Schwung: Die aus der Hinterhand entwickelte Kraft wird durch einen schwingenden Rücken an die Vorhand weitergeleitet. Schwungvolles, energisches Vorwärtsreiten, bei dem das Pferd nie über sein Tempo hinaus geritten werden darf. Schwung kann ohne Versammlung vorhanden sein, aber niemals Versammlung ohne Schwung.
  5. Geraderichten: Ein Pferd ist gerade gerichtet, wenn Hinterhand und Vorderhand aufeinander eingespurt sind, das heißt, wenn es auf gerader und gebogener Linie seiner Längsachse der Hufschlaglinie angepasst ist.
  6. Versammlung: Ohne die fünf vorausgegangenen Elemente, die absolut korrekt sein müssen, kann es keine Versammlung geben.

    Diese Punkte müssen aufeinander abgestimmt sein und zum Schluss zur Durchlässigkeit führen.
    Die Ausbildungsskala begleitet ein Pferd sein ganzes Reitpferdleben lang. Immer wieder -selbst bei dem besten S-Dressurpferde- kann es zu Schwierigkeiten kommen, die auf Mängel in einer oder mehrerer des beschriebenen Komponenten zurückzuführen sind.


Die Gangarten

  • Der Schritt:
    Der Schritt ist ein Viertakt mit einer gleichmäßigen Fußfolge ohne Schwebephase. Es werden die Tempi Mittelschritt, starker Schritt und versammelter Schritt unterschieden. In der Grundausbildung wird nur der Mittelschritt geritten, ab Kl. M wird zusätzlich der starke und versammelte Schritt verlangt. Wenn der Schritt mit dem linken Hinterbein beginnt, ergibt sich folgende Fußfolge: hinten links, vorn links, hinten rechts, vorn rechts, hinten links. Unter dem Sattel muss der Schritt fleißig, raumgreifend und gleichmäßig bleiben. Das Zurückführen in den versammelten Schritt oder Mittelschritt erfolgt nicht durch Rückwärtsrichten mit den Händen, sondern durch verstärktes Treiben und weich annehmende Zügelhilfen. Das Pferd wird von hinten herangeschlossen und zu größerer Lastaufnahme der Hinterhand angeregt und richtet sich entsprechend des Versammlungsgrades vermehrt auf.
    -Starker Schritt: Zulassen der natürlichen Nickbewegung des Pferdes bei leichter Genickkontrolle, um raumgreifendes Schreiten zu ermöglichen. Die Reiterhand muss durch Verlängerung des Zügelmaßes und entsprechendes Vorgehen mit den Händen die notwendige Rahmerweiterung und Dehnung des Halses zulassen, ohne die Anlehnung aufzugeben.
    -Mittelschritt: Das Pferd ist vermehrt aufgenommen und schreitet in bestimmter Anlehnung
    -Versammelter Schritt: Durch vermehrte Hankenbeugung und fleißiges Unterfußen der Hinterbeine in Richtung unter den Schwerpunkt ist keine Nickbewegung mehr vorhanden. Das Nicken im versammelten Schritt zeigt, dass das Pferd nicht genügend Last mit den Hinterbeinen aufnimmt.

  • Der Trab:
    Der Trab ist ein diagonaler Zweitakt, also jeweils hinten links und vorn rechts gemeinsam; danach folgt eine Schwebephase und dann bewegen sich erneut das rechte Hinterbein und das linke Vorderbein gleichzeitig. In der Grundausbildung bis zur Kl.L werden Arbeitstrab, Mitteltrab und in Kl.L der versammelte Trab verlangt, ab Kl.M zudem der starke Trab. Das „Tritte verlängern" ist eine Vorstufe des Mitteltrabs.
    -Mitteltrab und starker Trab: Beim Zulegen zum Mitteltrab und/oder starken Trab veranlasst der Reiter nach einer oder mehreren halben Paraden durch die bestimmte, gleichzeitige und gleichmäßige Einwirkung von Gewicht und beiden Schenkeln das Pferd zu einem größeren Raumgriff. Die Hand gibt so viel nach, wie es die Dehnung des Halses zur Rahmenerweiterung erfordert. Die Rückführung des Tempos wird ebenfalls mit einer oder mehreren halben Paraden vorbereitet. Dabei treibt der Reiter vermehrt, damit das Pferd mit der Hinterhand untertritt und nicht auf die Vorhand kommt.
    -Versammelter Trab: Das Pferd wird durch annehmende und nachgebende Zügelhilfen bei gleichzeitig vortreibenden Gewichts- und Schenkelhilfen veranlasst, vermehrt unter den Schwerpunkt zu treten. Dadurch werden die Tritte weniger raumgreifend, aber erhabener und ausdrucksvoller.
  • Der Galopp:
    Der Galopp ist ein Dreitakt als Folge von Sprüngen mit einem Moment der freien Schwebe. Unterscheidung in Rechts- oder Linksgalopp, je nachdem, welches seitliche Beinpaar weiter vorgreift. Das Vorgreifen des inneren Beinpaares kennzeichnet den Handgalopp, das Vorgreifen des äußeren Beinpaares den Außengalopp. Die verschiedenen Tempi sind: Arbeitsgalopp, Mittelgalopp, versammelter Galopp und starker Galopp. In der Grundausbildung bis zur Kl. L werden Arbeitsgalopp, Mittelgalopp und in Kl. L Außengalopp verlangt, ab Kl.M zusätzlich fliegende Galoppwechsel und starker Galopp.
    -Versammelter Galopp: Galoppsprünge werden durch halbe Paraden verkürzt. Last wird vermehrt auf das verbessert unterspringende Hinterbein übertragen. Aufnehmen und Nachgeben erfolgt dabei im Takt der Galoppsprünge, Zügelhilfen dürfen nie vorherrschen. Versammlung durch Gewichts- und Schenkelhilfen erreicht bei fortgeschrittenem Rittigkeitsgrad.
    -Außengalopp: Ecken der Bahn können geringfügig abgerundet werden. Das Pferd bleibt mit der Vor- und Hinterhand auf einem Hufschlag und ist entsprechend dem jeweils vorgreifenden Beinpaar gestellt.
    -Starker Galopp: Höchstmöglicher Bodengewinn bei gleichmäßiger Anlehnung und entsprechender Rahmenerweiterung, gegenüber dem Mittelgalopp raumgreifender, aber nicht eiliger.


Der Dressursitz
Der richtige Sitz ist, für einen Dressurreiter, die Voraussetzung für eine korrekte Ausbildung des Pferdes und für einen gelungenen Ritt einer Dressuraufgabe. Wer an Turnieren teilnehmen möchten müsste zuerst in der Lage sein korrekt auf dem Pferd zu sitzen und auf es einzuwirken. Das Pferd sollte sicher an den Hilfen stehen.
Der Dressursitz wird geringfügig durch den Körperbau des Reiters sowie durch die Größe und Rippenwölbung des Pferdes variiert. Der Reiter sitzt aufrecht im Sattel, sodass ein vom Ohr über Schulter und Hüftgelenk gefälltes Lot auf das Fußgelenk trifft. (kurz: Schulter-Hüfte-Absatz)
Beschreibung:

  • Gesäß: Ruht mit unverkrampften Muskeln im tiefsten Punkt des Sattels
  • Oberschenkel: Leicht nach innen geneigt, sodass das Knie in leichter Winkelung flach am Sattel bleibt und so tief wie möglich liegt
  • Unterschenkel: Werden vom Knie aus so weit zurückgenommen, dass Schulter-Hüfte-Absatz eine senkrechte Linie bilden
  • Absatz: In der Bewegung federt das Fußgelenk etwas nach unten durch. Der Absatz wird dadurch zum tiefsten Punkt des Reiters, die Füße sind annähernd parallel zum Pferdeleib gerichtet.
  • Oberkörper: Der Reiter sitzt mit aufrechtem Oberkörper ungezwungen in der Mitte des Sattels. Die Schultern fallen natürlich gelassen.
  • Kopf: Frei und aufrecht getragen. Der Blick ist geradeaus über die Pferdeohren gerichtet.
  • Oberarme: Hängen aus den Schultern unverkrampft herab und sind etwas vor der Senkrechten. Die Ellbogen liegen locker am Leib an, Unterarm-Zügel-Pferdemaul bilden eine gerade Linie.
  • Hände: Sind unverkrampft zur Faust geschlossen. Sie werden aufrecht getragen, weil nur aus dieser Haltung heraus feine Zügelhilfen aus dem Handgelenk möglich sind. Die mäßig gekrümmtem Daumen liegen dachförmig auf den Zügelenden. Falsche Handhaltungen: verdeckte Fäuste, steifes Handgelenk, geöffnete Faust und herüberdrückende Hand.



Fazit: Unter der äußeren korrektem Form des Sitzes darf die Losgelassenheit des Reiters nicht leiden, deshalb müssen folgende Gelenke losgelassen und unverkrampft sein: Schulter, Ellbogen, Handgelenk, Hüftgelenk, Knie und Fußgelenk. Die Losgelassenheit von Reiter und Pferd stehen in einer Wechselbeziehung zueinander. Wenn der Reiter steif ist, drückt das Pferd den Rücken weg und nimmt die Hilfen und Paraden nicht an. Wenn der Reiter geschmeidig sitzt, lässt sich das Pferd los.


Die Hufschlagfiguren

Es sind Arbeitslinien und ein Reiten auf diesen Linien trägt dazu bei, ein Pferd zu lösen, die Durchlässigkeit zu verbessern und die Versammlungsbereitschaft zu fördern.
In den einzelnen Dressurprüfungen werden Hufschlaffiguren in Verbindung mit Lektionen gefordert, um Reiter und Pferd im Vergleich zu sehen.

Die Hufschlagfiguren, die auf gerader Linie geritten werden, sind:
*halbe Bahn,
*ganze Bahn,
*Länge der Bahn,
*Wechsellinie durch die halbe Bahn,
*Wechsellinie durch die ganze Bahn,
*Wechsellinie durch die Länge der Bahn.
Vor dem Wechseln durch die ganze oder halbe Bahn sorgen der innere Schenkel und der äußere Zügel dafür, dass das Pferd nicht zu früh abwendet. Auf der Diagonalen ist das Pferd gerade gerichtet.

Auf gebogenen Linien müssen sich die Vorderbeine und die Hinterbeine auf einer Linie bewegen, also aufeinander eingespurt sein. Die Hufschlagfiguren auf gebogener Linie sind:
*auf dem Zirkel geritten,
*auf dem Mittelzirkel geritten,
*aus dem Zirkel wechseln,
*durch den Zirkel wechseln,
Beim Reiten auf dem Zirkel ist eine gleichmäßige Längsbiegung erforderlich, möglich durch diagonale Hilfengebung.
*einfache Schlangenlinie an der langen Seite (tiefster Punkt vom Hufschlag 5 m),
*doppelte Schlangenlinie an der langen Seite (tiefster Punkt vom Hufschlag jeweils 2,5 m).
Die Schlangenlinien erfordern bei jedem Richtungswechsel das Umstellen und Biegen des Pferdes.
*Schlangenlinie durch die Bahn, 3 und mehr Bogen.
Sie beginnen und enden jeweils Mitte der kurzen Seite. Es werden in Dressurprüfungen Kl.E und A drei bzw. vier Bogen verlangt, die als Halbvolten mit dazwischen liegenden geraden Strecken geritten werden.
*Volten,
*Acht (Volte auf der linken/rechten Hand, direkt anschließend Volte auf der rechten/linken Hand),
*Halbe Volte links/rechts, halbe Volte rechts/links.
Die Volte fordert vom Pferd die höchstmögliche Längsbiegung, Vor- und Hinterhand sind aufeinander eingespurt.
*Kehrtvolte bzw. aus der Ecke kehrt.
Sie wird zur Hälfte wie eine Volte mit entsprechender Größe geritten. An der weitesten Entfernung zum Hufschlag wird das Pferd geradeaus gestellt und in schräger Richtung auf gerader Linie zum Hufschlag zurückgeführt.



Seitengänge
Es sind Vorwärts-Seitwärts-Bewegungen mit gleichmäßiger Längsbiegung in entsprechender Versammlung. Die Hinterbeine fußen dicht aneinander vorbei. Takt, Tempo und Bewegungsfluss bleiben erhalten. Alle Seitengänge werden in der Regel im versammelten Trab oder im versammelten Galopp geritten. Als Seitengänge werden die Lektionen Schulterherein, Travers, Renvers und Traversale bezeichnet: Schulter-vor und Reiten-in-Stellung sind Vorübungen für das Schulterherein und damit für alle Seitengänge.
Zweck der Seitengänge:
-Hüft- und Kniegelenke beugen sich vermehrt,
-der Schwung des Pferdes wird verbessert,
-die Längsbiegung wird gefördert,
-Schenkelgehorsam, Durchlässigkeit und Geraderichtung werden verbessert,
-die Tragkraft der Hinterhand wird vermehrt beansprucht und somit die Versammlung verbessert,
-die Schulterfreiheit wird durch die vermehrte Hankenbeugung gefördert.

  1. Das Schulterherein:
    Beschreibung:
    Die Hinterhand bleibt auf dem Hufschlag und bewegt sich nahezu geradeaus, die Vorhand des Pferdes wird so weit in die Bahn hineingeführt, dass die äußere Schulter des Pferdes vor die innere Hüfte des Pferdes gerichtet ist. Der innere Hinterfuß spurt in Richtung des äußeren Vorderfußes. Das Pferd bewegt sich auf 3 Hufschlaglinien. Das Pferd ist gleichmäßig um den inneren Schenkel gebogen bei einem Abstellungswinkel von etwa 30° vom Hufschlag. Das Schulterherein wird beendet, indem die Vorhand wieder auf die Hinterhand eingerichtet wird.
    Hilfengebung
    : Der Reiter muss im Gleichgewicht sitzen. Er belastet vermehrt den inneren Gesäßknochen und fast den inneren Zügel nach, der bei der Einleitung der Lektion die Vorhand nach innen führt und in Verbindung mit dem inneren Schenkel für die gleichmäßige Längsbiegung verantwortlich ist. Der innere Schenkel liegt am Gurt, treibt das Pferd vorwärts-seitwärts, sorgt für die Rippenbiegung und veranlasst den inneren Hinterfuß zur vermehrten Lastaufnahme. Der äußere, verwahrende Zügel gibt etwas nach, um die äußere Schulter vorzulassen, begrenzt jedoch gleichzeitig die Stellung des Pferdes.

  2. Das Travers:
    Beschreibung: Beim Travers bleibt die Vorhand auf dem Hufschlag, während die Hinterhand in die Bahn hineingeführt wird. Die Abstellung vom Hufschlag beträgt etwa 30°. Das Pferd bewegt sich auf 4 Hufschlaglinien, da sowohl die Vorder- als auch die Hinterbeine kreuzen. Die Beendigung des Travers erfolgt durch das Einrichten der Vorhand auf die Hinterhand, danach wird das Pferd auf den ersten Hufschlag zurückgeführt.
    Hilfengebung:
    Der Reiter belastet vermehrt seinen inneren Gesäßknochen und fast den inneren Zügel, der das Pferd stellt. Der innere Schenkel liegt am Gurt und sorgt sowohl für die Rippenbiegung des Pferdes als auch für den gleichmäßigen und fleißigen Vortritt des inneren Hinterbeines. Der äußere Schenkel liegt verwahrend hinter dem Gurt und sorgt für die Vorwärts-Seitwärts-Bewegung des Pferdes. Der äußere, verwahrende Zügel gibt leicht nach und begrenzt die Stellung des Pferdes.

  3. Das Renvers:
    Beschreibung:
    Beim Renvers bleibt die Hinterhand auf dem Hufschlag, die Vorhand wird in die Bahn geführt.
    Hilfengebung:
    Identisch zu Travers nur die äußere Hilfen haben beim Renvers noch größere Bedeutung, da die Bande als Begrenzung entfällt.

  4. Traversalen:
    Beschreibung: Das Pferd bewegt sich entlang einer gedachten diagonalen Linie, analog zum Travers, möglichst parallel zur langen Seite. Kadenz und Bewegungsfluss sind wichtige Merkmale. Es werden im Bereich der Klassen M und S halbe, doppelte halbe sowie Zick-Zack-Traversalen im Trab und Galopp verlangt. Bei Zick-Zack-Traversalen im Trab wird eine bestimmte Meterzahl (5-10-5), im Galopp eine bestimmte Anzahl Galoppsprünge (4-8-8-4) gefordert. Bei jedem Richtungswechsel wird das Pferd geradeaus gerichtet.
    Hilfengebung: Entspricht der des Travers entlang einer gedachten Diagonale. Bei lang gezogener Traversale ist die Abstellung und Längsbiegung geringer als bei einer kürzeren, steileren Diagonale. Wichtig ist, dass das Pferd sicher am äußeren Zügel steht und sich nicht am inneren Zügel festmacht. In der Einleitung stellt der Reiter das Pferd in die Bewegungsrichtung, dann erfolgt die Vorwärts-Seitwärts-Bewegung, die bis zur gewünschten Linie bzw. bis zum Bahnpunkt durchgehalten wird, wo der Reiter das Pferd geradeaus richtet. Beim Umstellen zwischen 2 Traversalen wird das Pferd eine Pferdelänge geradeaus gerichtet. Der neue innere Gesäßknochen wird belastet und der neue innere Bügel vermehrt ausgetreten. Gleichzeitig erfolgt das Nachfassen des neuen inneren Zügels sowie Stellung und Biegung des Pferdes in die gewünschte Bewegungsrichtung. Das Umstellen zwischen 2 Traversalen sollte geschmeidig, weich und in gleich bleibend durchgehaltenem Bewegungsfluss ausgeführt werden.
    Für die Richtungsänderungen zwischen 2 Galopptraversalen muss der fliegende Galoppwechsel sicher beherrscht werden. Der Galoppwechsel erfolgt in den Augenblick, in dem das Pferd gerade gerichtet ist.


Einige S-Lektionen

  • Serienwechsel:
    In den Dressurprüfungen der Kl. S werden Serienwechsel gefordert. In den nationalen Aufgaben (S 1-7 ohne Piaffe und Passage) werden sie zu 4,3,2 Sprüngen oder in den Aufgaben S 8-9 (Intermédiaire-II - Grand Prix Niveau) von Sprung zu Sprung verlangt.
    Beschreibung:
    Die Serienwechsel sollten gerade, bergauf und im Rhythmus des Galoppsprunges ausgeführt werden. Das Tempo bleibt während der Serienwechsel gleichmäßig, die genaue Einhaltung der jeweiligen Sprungzahl und die richtige Einteilung der Serienwechsel auf der jeweils geforderten Linie ist zu beachten.
    Hilfengebung:
    Die Hilfe zum fliegenden Galoppwechsel wird direkt vor der freien Schwebe gegeben. Der Reiter bleibt im Oberkörper ruhig sitzen, der bisherige verwahrende äußere Schenkel gleitet nach vorn, der bisherige innere Schenkel wird verwahrend hinter dem Gurt gelegt. Dadurch schiebt sich beim ausbalanciert und losgelassenen Reiter die neue innere Hüfte etwas vor. Unmittelbar vor dem fliegenden Wechsel erfolgt ein geringfügiges Umstellen des Pferdes. Der neue innere Zügel gibt nach, damit der innere Hinterbein genügend durchspringen kann. Für den jeweiligen Galoppwechsel in einer Serie muss das Pferd in sich gerade gerichtet bleiben, Takt und Versammlung des Galoppsprunges bleiben zwischen den Wechseln erhalten.
    Bei den Wechseln von Sprung zu Sprung wird die Hilfe für den nächsten Wechsel in dem Augenblick gegeben, in dem das Pferd den vorherigen Wechsel gerade ausführt.

  • Galopp-Pirouetten:
    Beschreibung
    : Ganze und halbe Galopp-Pirouetten werden aus dem versammelten Galopp geritten. Das Pferd beschreibt mit der Vorhand eine kreisförmige Wendung um die Hinterhand. Es ist dabei in Bewegungsrichtung gestellt und gebogen. Der innere Hinterfuß bewegt sich auf einem möglichst kleinen Kreis. Die Hinterhand des Pferdes senkt sich aufgrund des höheren Grades der Versammlung und nimmt vermehrt Last auf. Die ganze Pirouette (360°) erfordert etwa 6 bis 8, die halbe Pirouette (180°) 3 bis 4 Galoppsprünge.
    Hilfengebung
    : Der Reiter nimmt das Pferd mit halben Paraden vermehrt auf, um zu einer größtmöglichen Versammlung zu kommen. Der innere Gesäßknochen ist belastet, der innere Schenkel liegt treibend am Gurt, der äußere Schenkel liegt verwahrend etwas hinter dem Gurt; er vermeidet das Ausweichen der Hinterhand und sorgt mit den übrigen Hilfen für das Herumführen des Pferdes und die Vorwärtstendenz während der Wendung. Der innere Zügel wird verkürzt, gibt dem Pferd die Stellung und führt es seitwärts weisend, der äußere Zügel gibt etwas nach und begrenzt die Stellung . Bei jedem Galoppsprung der Pirouette wirkt der Reiter wie mit einer Angaloppierhilfe auf das Pferd ein. Die inneren Hand des Reiters muss in jedem Galoppsprung wieder leicht werden, um das innere Hinterbein nicht zu blockieren.

  • Piaffe:
    Beschreibung
    : Die Piaffe ist eine Trabbewegung im Zweitakt, die auf der Stelle ausgeführt wird. Die Hinterbeine bleiben nahe am Boden, wodurch die Hinterhand mehr Gewicht aufnehmen kann. Die Vorhand wird dabei entlastet, was eine relative Aufrichtung ermöglicht. Eine gute Piaffe setzt voraus, dass das Pferd in sich gerade ist. Takt und Losgelassenheit müssen beibehalten werden, und es muss ein guter Schwung erkennbar sein.
    Hilfengebung
    : Das Gewicht des Reiters sollte auf beiden Gesäßknochen gleichmäßig verteilt sein. Das Anpiaffieren geschieht nach einer halben Parade durch beiderseitigen Schenkeldruck und abkippendes Becken. Nach der Einleitung der Piaffe muss der Reiter sein Kreuz wieder lockern, um sich mit federndem Rücken den Bewegungen des Pferderückens anpassen zu können. Die treibenden Hilfen sollen in der Piaffe beibehalten werden, ihre Deutlichkeit hängt vom Temperament und der Arbeitsbereitschaft der verschiedenen Pferden ab.

  • Passage:
    Beschreibung
    : Die Passage ist eine sehr erhabene und stolze Trabbewegung, bei der sich die Länge der Tritte verkürzt und sich die Kadenz wesentlich verstärkt. In der Passage muss die Hinterhand eine starke Hankenbeugung besitzen, mehr Gewicht aufnehmen und sich zusätzlich taktrein vorwärts bewegen.
    Hilfengebung
    : Die treibende Gewichts- und Schenkelhilfe bei verhaltender Hand leitet die Passage ein. Das „Kreuzanziehen" wirkt als Hilfe nur, wenn es momentan eingesetzt wird. Sobald das Pferd dann die Passage annimmt, hat der Reiter wieder „normal" zu sitzen und mitzuschwingern. Erst der ruhige Sitz des Reiters ermöglicht dem Pferd die Taktreine Entfaltung. Die beiden gleichzeitig treibenden Schenkel, die zusammen mit der Gewichtshilfe die Passage einleiten, können auch nur dann wirksam bleiben, wenn sie sich nicht am Pferd festklemmern.


Einige Definitionen

  • Halbe Paraden sind das Zusammenwirken aller Hilfen und ermöglichen kontrolliertes Reiten. Unter einer halben Parade wird ein vermehrtes Einschließen des Pferdes zwischen Gewichts-, Schenkel- und Zügelhilfen verstanden, dem eine nachgegebende Zügelhilfe folgt. Halbe Paraden werden gegeben:
    -um das Pferd in seiner Gesamtheit richtig zu reiten,
    -um Übergänge von einer Gangart in die andere zu reiten,
    -um das Gangmaß innerhalb einer Gangart zu verkürzen bzw. zu regulieren,
    -zur Vorbereitung jeder Lektion
    -um die Anlehnung zu erreichen, zu erhalten, zu verbessern und in Versammlung zu bringen.
    In Verbindung mit einer belastenden Gewichtshilfe durch vermehrtes „Kreuzanspannen" und einer treibenden Schenkelhilfe gibt der Reiter eine entsprechend dosierte annehmende oder durchhaltende Zügelhilfe, jeweils gefolgt von einem rechtzeitigen Nachgeben. Die halbe Parade ist kein einmaliger Vorgang, sondern wird im Bewegungsrhythmus so oft wiederholt, bis sie ihren Zweck erfüllt hat.

  • Ganze Parade kann aus allen Gangarten erfolgen und wird nur auf geraden Linien gegeben. Sie wird von mehreren halben Paraden vorbereitet und führt immer zu halten. Durch Treiben tritt das Pferd vermehrt unter den Schwerpunkt und an die durchhaltende Hand heran und pariert sich dadurch selbst. Dabei ist es wichtig, dass die nachgebende Zügelhilfe sofort erfolgt und nicht erst, wenn das Pferd steht.

  • Stellung bedeutet das seitliche Wenden des Pferdekopfes im Gelenk zwischen Kopf und Hals, dem Genick. Bei einem losgelassenen Pferd wird der Mähnenkamm leicht zu der Seite kippen, zu der das Pferd gestellt ist. Der Hals ist bei der Stellung nur geringfügig gebogen. Die Längachse des Pferdes ist an der Stellung nicht beteiligt, sie bleibt in sich gerade. Eine klare Stellung wird erreicht, indem der Reiter, beide Gesäßknochen gleichmäßig belastend, den äußeren Zügel so weit vorgibt, wie er den inneren Zügel verkürzt, ohne die Anlehnung aufzugeben. Der Reiter sieht das innere Auge und den inneren Nüsternrand schimmern.

  • Biegung bedeutet eine Krümmung der Längsachse des Pferdes. Der Pferdekörper soll dabei gebogen werden. Die Biegung wird durch konsequente Abstimmung der „diagonalen" Hilfen erreicht
    -vermehrtes Belasten des inneren Gesäßknochens,
    -der innere Schenkel treibt am Gurt den inneren Hinterfuß vor,
    -der verwahrende Schenkel (eine Handbreit hinter dem Gurt) verhindert ein Ausfallen der Hinterhand,
    -der innere Zügel gibt die Stellung und führt ggf. das Pferd in die Wendung hinein
    -der äußere Zügel gibt so viel nach, wie es Stellung oder Biegung des Pferdes nach innen fordert, verhindert zu starke Halsabstellung, begrenzt äußere Schulter.

  • Es gibt keine Biegung ohne Stellung, während Stellung ohne Biegung möglich ist.


Die Dressurprüfungen

Entsprechend der Klassen-Einteilung E, A oder L (später auch M und S) unterscheiden sich die Kriterien der einzelnen Aufgaben:

  • In der E-Dressur werden die 3 Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp im Arbeitstempo verlangt; außerdem ganze Paraden zum Halten, Schlangenlinien und Übergänge Trab-Galopp und Galopp-Trab. Der Sitz des Reiters wird etwa zu 50% bewerten.
  • In der A-Dressur kommen zu den Anforderungen der Klasse E noch der Mitteltrab und der Mittelgalopp hinzu, darüber hinaus Lektionen wie einfache Galoppwechsel, Rückwärtsrichten, Vorhandwendung, Zügel-aus-der-Hand-kauen-lassen oder Viereck verkleinern und vergrößern.
  • In der L-Dressur werden dann erstmals versammelte Tempi im Trab und Galopp verlangt, außerderm Außengalopp und Hinterhandwendungen.
  • Bei der M-Dressur kommen einzelne fliegende Galoppwechsel, Traversalen, Schulter herein.
  • Bei der S-Dressur sind fliegende Galoppwechsel zu mehreren Tempi und Galopp-Pirouetten.
    Piaffe und Passage sind zwei der schwierigsten Lektionen. Sie verlangen nicht nur sehr viel Geschick und Gefühl von Seiten des Reiters, sondern auch großes Vertrauen des Pferdes zu sich und seinem Reiter. Pferde mit einer guten natürlichen Hankenbeugung eignen sich besonders für diese Lektionen. Pferde, die ihre Hinterhand nicht sonderlich beugen können, benötigen für die sehr starke Versammlung mehr Aufbautraining und eine langfristigere Entwicklung der Hinterhand.


Seit einigen Jahren besteht auch die Möglichkeit eine Kür zu Musik zu reiten. Damit geht man zurück zu den Ursprüngen der Dressur in der Renaissance - die Reiter können auch künstlerische und spielerische Elemente in ihre Darbietung einfließen lassen.