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Das Sommerekzem !

Alle Jahre wieder wird es zur Qual:

Das Sommerekzem!

Man kann fast vermuten, dass die diesjährige „Ekzemsaison" die Schlimmste schlechthin wird. Bedenkt man, dass seit Aufzeichnung des Wetters noch nie ein so milder Winter geherrscht hat, dass Insekten in dem kaum gefrorenen Boden wohl fast allesamt überlebt haben, fällt es leicht, sich vorzustellen, wie massiv die Insektenpopulation unsere Pferde in diesem Sommer beeinträchtigen wird.

Viele Pferdehalter berichten mir, dass ihre vom Sommerekzem geplagten Pferde in diesem Winter erst gar nicht aufhörten, sich zu schubbern und der quälende Juckreiz nicht wie sonst

- bei normalen Wintern und Wettertemperaturen - zumindest eine mehrmonatige Pause einlegte. Die durch den Juckreiz geschädigten Hautbezirke konnten in diesem Winter kaum richtig abheilen, da - sobald die Sonne schien - die gefürchteten Culicuides Spezies gleich wieder ausschwärmten und die Pferde malträtierten.

Die Überempfindlichkeitsreaktion der betroffenen Pferde gegen die Inhaltsstoffe des Speichels der Culicuides Spezies (im Sprachgebrauch Mücken, Gnitzen) wird diesjährig somit sicher zur ganz besonderen Belastungsprobe, wenn die Vorjahre schon massiv durch Juckreiz beeinträchtigt wurden; auch wird es sicher viele „Neuerkrankungen" geben.

Das Immunsystem bekämpft im Normalfall Viren, Bakterien, Pilze, Parasiten und andere Schädlinge, die ungewollt in den Organismus eindringen. Diese Aggression richtet sich bei betroffenen Pferden gegen eher harmlose Stoffe, hier die Inhaltsstoffe des Speichels der Culicuides Spezies. Der Speichel der Mücken stellt das Allergen dar. Die krankmachende Wirkung der Allergie entsteht nicht aus den Allergenen, sondern aus der Reaktion des Organismus auf diese, eine Überreaktion des Immunsystems auf eine im Grunde „normale" Umgebung. Die unsinnige und übersteigerte Abwehrreaktion besteht oftmals nicht nur gegen die Spezies der Culicuides, sondern es liegen größtenteils auch weitere allergische Reaktionen auf verschiedene andere Insekten vor; beispielsweise Fliegen und Bremsen. Auch beobachte ich immer häufiger, dass sich zu der allergischen Hautreaktion eine allergische Atemwegserkrankung hinzugesellt. So bleibt es selten „nur" bei einer allergischen Reaktion auf ein bestimmtes Allergen, sondern es folgen mit der Zeit immer mehr allergische Reaktionen auf weitere Stoffe und Faktoren. Bei einem betroffenen Pferd sollte man daher beobachten, ob weitere allergische Reaktionen auftreten und falls ja, umgehend eine Behandlung einleiten.

Selbstverständlich sollte es sein, bei einem Allergiker im Rahmen der eigenen Möglichkeiten eine gewisse Vorsorge zu betreiben, hinzukommende allergische Reaktionen, beispielsweise auf Schimmelpilzsporen und Staub, möglichst zu verhindern. Diese Vorsorge beinhaltet annähernd staubfreies Futter bester Qualität, viel frische Luft und ausreichend Bewegung auch zur Stallsaison.

Kardinalsymptome des Sommerekzems sind starker Juckreiz und Unruhe. Alle weiteren Veränderungen entstehen durch das Scheuern. Die stark angegriffenen und wundgescheuerten Hautbezirke sind empfänglich für zahlreiche Folgeerkrankungen wie Bakterien- und Keimbefall sowie Mykosen und Befall mit anderen Ektoparasiten.

Durch die permanente Reizung wird die Haut immer dicker. Der Fachmann spricht dann von Pachydermie, die Haut legt sich in dicke, wulstige Falten. So entstehen luftabgeschlossene, eingequetschte Bereiche, die Haut fängt an zu nässen. Diese Hautbezirke sehen ähnlich aus wie befallene Bezirke bei Räude, wo Milben in der Haut leben.

Oft wird das Sommerekzem auch als Sommerräude bezeichnet: bei Sommerräude leben jedoch Mikrofilarien, Entwicklungsstufen von Würmern, in der Haut.

Räude, Sommerräude und Sommerekzem sind stark voneinander abzugrenzen und nicht als ein und dieselbe Erkrankung zu verstehen!

Das an Sommerekzem und somit an einer Allergie leidende Pferd neigt ebenso zum Headshaking, welches zwar eine völlig andere Form der Allergie darstellt, und das zentrale Nervensystem weitaus mehr in Mitleidenschaft zieht, doch letztlich lediglich eine andere Symptomatik darstellt, da auch der Headshaker allergisch auf Insekten und Sonnenlicht reagiert.

Über das eigentliche Allergiegeschehen hinaus gibt es zahlreiche

das Sommerekzem begünstigende Faktoren:

Individuelle Prädispositionen

1. Stoffwechselprobleme:

Diese äußern sich u. a. in verzögertem Haarwechsel, schuppigem Haarkleid, fettigem Fell und Anfälligkeit für Parasiten- und Pilzerkrankungen sowie langsamer Wundheilung.

2. Hormonelle Imbalancen:

Äußern sich durch Scheuern am ganzen Körper während der Rosse und erhöhter Hautempfindlichkeit sowie auch nicht regelmäßiger verzögerter Rosse oder „Dauerrosse", Verhaltensauffälligkeiten im Zusammenhang stehend mit der Haut (beißen, kratzen etc.).

3. Psychische Faktoren:

Ein Pferd, welches in seiner Herde stark unterdrückt und sozusagen das „schwächste Glied" ist, ein Pferd, welches sich von seinem Besitzer nicht geliebt und zurückgesetzt fühlt, oder auch ein Pferd, welches unter permanenter Langeweile leidet, starkem Stress und überfordernder Arbeitsbelastung ausgesetzt wird, fühlt sich in seiner Haut ebenfalls nicht wohl.

Auch psychische Faktoren tragen zum Allergiegeschehen nicht unerheblich bei.

Fütterungsbedingte Prädispositionen

Sind Vitamin-, Mineralstoff-, Spurenelementüber- bzw. Unterversorgung, Imbalancen im Nährstoffhaushalt, Rohfasermangel, Eiweiß- sowie Energieüberversorgung.

Bekannt ist, dass ein Überangebot an Protein und Energie stark zum Allergiegeschehen beiträgt. Dies umso mehr, wenn nicht ausreichend Rohfaser zugeführt wird. Die Ernährung eines Pferdes mit Sommerekzem sowie auch mit anderen Erkrankungen aus dem allergischen Formenkreis sollte in erster Linie bedarfsgerecht - nicht übermäßig - und möglichst naturbelassen sein. Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente sollten in für das Pferd optimal verwertbarer Form (= natürlich, nicht synthetisch) ausreichend zugeführt werden. Schädlich zu beurteilen sind hier gleichermaßen Mangelerscheinungen, Überschüsse und Imbalancen. So begünstigt ein Mangel an Calcium Hautveränderungen ebenso wie ein Calciumüberschuss. Calcium konkurriert im Darm mit Kupfer, Zink und Selen um die Aufnahme in den Organismus. Kupfer und Zinkmangel sind direkte Verursacher von Hautproblemen und Juckreiz. Kleie (große Anteile finden sich in Fertigmash) vermindern die Aufnahme von Calcium, Kupfer, Zink und Selen, so ist bei täglicher Fütterung ein Mangel bereits vorprogrammiert. Ein Überschuss an Selen, welcher, da Selen ein Spurenelement ist, schon bei geringster Überdosierung eintreten kann, führt zu Vergiftungserscheinungen wie Haarausfall, Ausfall des Mähnen- und Schweifhaares bis hin zum sogenannten „Ausschuhen", welches meist den Verlust des Pferdes bedeutet.

Eine bedarfsgerechte Ernährung ist die Grundvoraussetzung jeder erfolgreichen Therapie des Sommerekzems. Hier muss in jedem Fall der Grundstock des therapeutischen Eingreifens gelegt werden. Ohne Beachtung einer optimalen Nährstoffzuführung wird jede Therapie langfristig zum Scheitern verurteilt sein!

Hüten sollte man sich vor allem, dem Sommerekzemer wechselnde oder auch gleichzeitig mehrere Ergänzungs- u. Zusatzfuttermittel zu füttern, da diese zwangsläufig zu Fehlversorgungen führen. Viele Pferdehalter scheinen dazu zu neigen, alles auf einmal ausprobieren zu wollen: dies ist der falsche Weg! Der Markt ist unbegrenzt, was Hilfen und Ergänzungsfuttermittel für Sommerekzemer betrifft, jedoch sollte man eines nach dem anderen ausprobieren und jedem neuen Produkt einen Zeitraum von ca. 3 Monaten einräumen; damit man dann auch abschätzen kann, was wirkte positiv, was eher gar nicht und was negativ.

Eine ausgewogene Fütterung ist Voraussetzung für einen funktionierenden Stoffwechsel, ein gesundes und intaktes Darmmilieu sowie ein ausgewogenes Säure-Basen-Verhältnis, was unserem Ekzemer aus gutem Grund zugute kommt:

Weiterhin ist bekannt, dass  ein chronisch gestörtes Darmmilieu (ausgelöst durch zu große Mengen und/oder oft artfremdes Eiweiß) - im Darm befinden sich über 80 % der Immunzellen - eine Verschlechterung der Anpassung an äußere Reize und mangelhafte Immunabwehr (keine Eliminierung von Allergenen mehr möglich) bewirkt. Somit ist ein gestörtes Darmmilieu sowie auch ein gestörtes, zum Teil hieraus resultierendes, Säure-Basen-Gleichgewicht kausal mitverantwortlich für die Überreaktion des Immunsystems (= Allergie).

Als Hauptverursacher eines gestörten Säure-Basen-Gleichgewichts bis hin zur Übersäuerung ebenso wie eines chronisch gestörten Darmmilieus wird eine falsche Fütterung als sicher angesehen.

Weitere Prädispositionen

Ein weiterer begünstigender Faktor ist Bewegungsmangel und Übergewicht:

Bewegung fördert die Durchblutung sowie den Stoffwechsel und wirkt regulierend auf das Allergiegeschehen. Des Weiteren wird das Wohlbefinden durch ausreichend Bewegung an frischer Luft gestärkt.

Bedeutung der Umwelt

Umweltfaktoren sind bei der ständig steigenden Anzahl von allergischen Erkrankungen in starkem Maße zu berücksichtigen. Unsere Umwelt wird immer aggressiver und Reaktionen hierauf zeigt gerade das Pferd, welches von unseren „Haustieren" wohl die naturverbundenste und somit auf die Umwelt sensibel reagierendste Spezies ist. Probleme zeigen sich in vielfältiger und stetig zunehmender Weise, nicht nur das Sommerekzem, sondern Headshaking, allergische Reaktionen der Schleimhäute (Nasenausfluss, Husten, stark tränende Augen, Bindehautentzündung) und Nesselfieber (Urticaria) und starke Quaddelbildung als Reaktion auf Insektenstiche und andere Allergene nehmen als weitere allergische Reaktionen zu.

Allergene können sich beispielsweise auch im Heu befinden. Immer häufiger treten Urticaria & Co. auch in weidefreien Zeiten auf und wir beobachten zunehmend, dass unverträgliche bzw. Allergen Potenzial bergende Pflanzen im Heu vorhanden sind.

Wird das Heu gewechselt, klingen die Symptome innerhalb weniger Tage ab.

Erhöhte Leberwerte, welche bei Allergikern häufig anzutreffen sind, beeinflussen den gesamten Stoffwechsel und fördern die Allergiebereitschaft. Auch scheinen manche Pferde empfindlicher zu reagieren, da bei gleicher Fütterung und Haltung und identischen Bedingungen bei einigen Pferden erhöhte, bei anderen Pferden im Normbereich liegende Leberwerte anzutreffen sind. Gerade das so sensitive „Naturtier Pferd" hat Probleme, mit dem stetig steigenden Maß an Toxinen, welche durch die synthetische Fertigfütterung mit ihren zahlreichen Zusatzstoffen ebenso wie unseren leichtfertigen Umgang mit Giftstoffen unterschiedlicher Art (Dünger, Unkrautbekämpfung, Umweltfaktoren, Abgasen usw.) verursacht wird, zu leben.

Berichtet die Presse in erster Linie über Umweltskandale und wirklich lebensbedrohliche Veränderungen der Klimabedingungen, so zeigt uns das Pferd wohl schon Jahrzehnte früher dank seines Instinktes, dass das „Zurück zur Natur" der einzig gangbare Weg für eine lebenswerte Zukunft ist!

Haltungsbedingte Faktoren

In Küstenregionen kommt das Sommerekzem nahezu nicht vor.

Weiden in Küstenregionen meiden die Mücken vor allem wegen des Windes. Auf Bergweiden über 500 Metern trifft man kaum Sommerekzemer mit ihren typischen Symptomen an.

Desto windiger das Umfeld, desto wohler fühlt sich unser Sommerekzemer.

Die noch gängige Meinung, dass Sommerekzemer am Meer bzw. in Meeresnähe symptomfrei bleiben, scheint jedoch zunehmend ins Wanken zu geraten. Vermehrt höre ich, dass auch bei Abgabe der Tiere „ans Meer" Symptome auftreten.
Einzige Ausnahme: Island, hier gibt es das Sommerekzem nicht, was sicher an den klimatischen Bedingungen, der Vegetation und den völlig anderen Gesamtbedingungen liegt!

Fatal für den Sommerekzemer ist ein stehendes Gewässer in der Nähe:

Hier mutiert das Sommerekzem zur Qual, Pferde mit Sommerekzem gehören nicht in die Nähe eines Teichs, der Brutstätte für die Mücken ist.

Die Haltung sollte in erster Linie - dies gilt für den Ekzemer ebenso wie für alle anderen Pferde, denn in erster Linie ist auch der Sommerekzemer Pferd - pferdegerecht, gesund, natürlich und mit möglichst viel Bewegung in frischer Luft in einer freien und möglichst windigen Gegend stattfinden. Je windiger die Gegend, desto positiver für unser Ekzempferd. Wind ist in erster Linie von der Lage des Wohnorts abhängig, daher sollte diese möglichst etwas erhöht und nicht in unmittelbarer Nähe bebaut sein. Es ist genau die Lage, die bei Stürmen, die uns zukünftig ja weiter und verstärkt bevorstehen sollen, die nicht Attraktive ist!

Durch eine artgerechte Haltung werden Stoffwechsel, Durchblutung (welche grundsätzlich wichtig ist) und Psyche stark positiv beeinflusst.

Die Möglichkeit zum Scheuern sollte in Form von befestigten ausrangierten Besen gegeben werden, Verletzungsmöglichkeiten müssen ausgeschaltet werden.

Zu beachten ist, dass der starke Ekzemer durch exzessives Scheuern starke Läsionen und Verletzungen geradezu herausfordert. Da ein nicht unerheblicher Gewöhnungseffekt einsetzt bei den betroffenen Pferden, ist eine Weide ohne Baumbestand anzuraten; da Bäume in der Regel Verletzungsquellen darstellen können und geradezu zum Scheuern und Schubbern einladen.

Die Weideflächen sollten extensiv bewirtschaftet werden, was bedeutet, ausschließlich natürlich gedüngt (eigener abgelagerter, also kompostierter Mist) und mit nur wenigen Pferden beweidet.

Die Unkrautbekämpfung sollte natürlich vonstatten gehen, was heißt:

kein Einsatz chemischer Unkrautbekämpfungsmittel! Je natürlicher und vielfältiger unsere Pferdeweide ist, je positiver ist der Grasbestand zu bewerten; extensiv bewirtschaftete Weideflächen sind verhältnismäßig rohfaserreich, protein- u. energiearm, was nicht nur unserem Sommerekzemer zugute kommt! Des Weiteren ist auf Hygiene zu achten, was regelmäßiges Kot einsammeln (sofern es die Fläche in ihrer Größenordnung erlaubt) ebenso einschließt, wie tägliches Ausmisten des Stalles, Reinigung der Tröge und Tränken, Entfernung von Spinngeweben etc.; hier sollte das Augenmerk auf eine natürliche Bekämpfung der Insekten gelegt werden.

Einfache Hilfsmöglichkeiten

Hierzu gehört ganz sicher ein Fliegenkopfschutz mit Klettverschluss oder Gummiband, Klettverschluss bzw. Gummiband verhindert, dass die Pferde hängen bleiben und ist für alle Pferde unbedingt notwendig, für den Sommerekzemer bestimmt lebensrettend, da dieser geradezu prädestiniert ist, sich bei Scheuerei und Juckerei zu verheddern.

Ekzemerdecken sind eine hilfreiche Erfindung, nicht alle Pferde kommen jedoch damit zurecht. Pferde, die sich sichtlich unwohl fühlen mit Decke und nur den Gedanken verfolgen, wie sie die Decke am besten wieder los werden, hierbei mit sämtlichen Tricks vorgehen, sind keine Kandidaten für eine Ekzemerdecke. Die meisten Pferde sind jedoch geradezu begeistert, wenn sie durch eine Decke geschützt werden und in dem Fall sind Ekzemerdecken eine wirkliche Hilfe für die betroffenen Pferde. Allerdings sollte die Decke nicht 24-Stunden im Einsatz sein,

auch Ekzemerhaut möchte einmal frei atmen!

Allerdings sollte zusätzlich die Fütterung und Haltung überdacht werden und selbst mit Ekzemerdecke lohnt sich eine Therapie der überschießenden Immunreaktion.

Denn: ein Sommerekzem kann nur der Anfang sein und weitere allergische Reaktionen die Folge, von daher ist Therapie unbedingt anzuraten und nicht das Verschleiern der Symptomatik durch den Einsatz von Ekzemerdecken. Diese sollten als das verstanden werden, was sie sind:

eine positive Unterstützung, eine echte Hilfe und Verringerung der Qual des Juckreizes, sie steigern die Lebensqualität erheblich im besten Falle, sind jedoch nicht das Wunder- und Allheilmittel!

Therapiemöglichkeiten

Weder der alleinige Einsatz von Kräutern und Ergänzungsfuttermitteln, noch die alleinige lokale Behandlung der betroffenen Hautbezirke und schon gar nicht die in der Praxis immer noch viel zu oft praktizierte und als erstes Mittel der Wahl eingesetzte Kortikoidtherapie (Unterdrückung bzw. Verlagerung des Symptomenkomplexes, teilweise verheerende Nebenwirkungen, wie z. B. Hufrehe) können als wirksame Therapie angesehen werden. Bezüglich der Therapie mit Cortison sollte diese immer dem Notfall vorbehalten bleiben; denn gerade Pferde, die an Sommerekzem erkrankt sind, dies gilt übrigens auch für sämtliche anderen allergischen Haut- und Atemwegserkrankungen, scheinen disponiert für Hufrehe zu sein.

Wir machen zunehmend die Erfahrung, dass Hufrehe und Sommerekzem bzw. Hufrehe und Atemwegserkrankung innerhalb weniger Monate bei einem Pferd auftreten. Die Zusammenhänge sind zwar noch ungeklärt, doch die Erfahrung sollte uns lehren, dass Zusammenhänge zumindest bestehen könnten. Da Cortison als Hufreheauslöser bekannt ist, sollte Wirkung und mögliche Nebenwirkung äußerst gut abgewägt werden, denn: eine Hufrehe ist lebensbedrohlich und endet oft tödlich, das Sommerekzem gehört nicht zu den lebensbedrohlichen Erkrankungen und lässt sich durch wenige Maßnahmen für das betroffene Pferd im erträglichen Rahmen halten. Man sollte es erst gar nicht so weit kommen lassen, dass über den Einsatz von Cortison nachgedacht werden muss, sondern bei den ersten Symptomen (= Juckreiz) sofort und umgehend handeln.

So kommt man erst gar nicht in die verzwickte Situation, abwägen zu müssen in Form von Pro & Contra!

Weder in der Schulmedizin noch in der alternativen Tierheilkunde existiert eine nachweislich bei allen erkrankten Pferden erfolgreiche Behandlung durch ein einzusetzendes Mittel, da diese eine Standardmedikation nach dem „Schema F" darstellen müsste, welche es ganz bestimmt bei Sommerekzem ebenso wenig geben wird, wie bei anderen Erkrankungen!

Dieses eine Mittel als Mittel der Wahl gibt es meiner Ansicht nach nicht!

Meiner Erfahrung nach lässt sich das Sommerekzem nur unter Einbeziehung der Ganzheitlichkeit wirksam therapieren.

Nach ausführlicher Anamnese sollte bei Bedarf einerseits eine individuelle Therapie eingeleitet werden, welche sämtliche Prädispositionen berücksichtigt und nicht auf Unterdrückung der Symptome abzielt, andererseits unter dem Aspekt der Ganzheitlichkeit Haltung, Fütterung, Bewegung, Sozialfaktoren und Pflegemaßnahmen überprüft und auf die Erkrankung abgestimmt optimiert werden. Wir arbeiten überregional mit der Biofeld-Haaranalyse, im erreichbaren Umkreis durch eine ausführliche Untersuchung und Anamnese.

In diesem Zusammenhang kann der Einsatz von Kräutern und Ergänzungsfuttermitteln, wenn man diese einzusetzen versteht, wertvolle Dienste leisten und erfolgreich zur Therapie beitragen. Jedoch ist es falsch anzunehmen, nach dem Motto, viel hilft viel vorzugehen bzw. wahllos Kräuter, Ergänzungsfuttermittel und Homöopathika womöglich in Verbindung mit Kortison einzusetzen, da gravierende Fehler und Verschlechterungen der Symptomatik somit vorprogrammiert sind. Auch sollte man sich hüten, Mittel zur Stimulation des Immunystems (z. B. Echinacea) bei Sommerekzem einzusetzen, da eine Allergie immer eine Überreaktion des Immunsystems ausdrückt, im Umkehrschluss also keine noch so geartete Stimulation des Immunsystems stattfinden darf, da hierdurch eine Verschlechterung der Symptomatik zwangsläufig eintreten muss. Auch die allgemeine Erfahrung, dass mit vom Fohlenalter an zunehmenden Lebensjahren das Sommerekzem jährlich stärker in Erscheinung tritt, bevor im Alter das Immunsystem durch allgemeine Alterungsprozesse schwächer wird und so auch der Symptomkomplex des Sommerekzemers schwächer wird, lässt den Schluss zu, dass eine Stärkung des Immunsystems kontraproduktiv wirkt. Immer wieder liest man zwar, dass eine positive Wirkung auf das Immunsystem von Echinacea nicht nachweisbar sein soll; aus eigener Erfahrung kann ich beisteuern, dass sich anhand meiner ehemaligen „Therapieversuche" an meiner Haflingerstute Sina (1998, ich war noch in der Ausbildung) das Sommerekzem massiv verschlechterte nach einigen Kügelchen bzw. Globulis Echinacea. Da ich nicht so sehr an Zufälle glaube und die Verschlechterung mit eigenen Augen in wenigen Stunden extrem wahrnahm, denke ich, dass zumindest bei Sina eine immunstimulierende Reaktion stattgefunden haben muss; es sei denn, es hat eine weitere allergische Reaktion stattgefunden, so könnte man natürlich auch mutmaßen. Wie auch immer: von Echinacea würde ich nach meinem persönlichen Erlebnis generell strikt abraten!

Unserer Erfahrung nach verläuft die erfolgreiche Therapie des Sommerekzems so unterschiedlich, wie das jeweilige Pferd individuell ist. Bei manchen Pferden setzen wir ausschließlich das von mir entwickelte Ergänzungsfuttermittel (Allergosan-Kräutermischung) und ggf. zusätzlich eine lokale Behandlung mit Allergosan-Öl bzw. Allergosan-Insekt-Öl oder  Produkte anderer Firmen ein, und die Pferde sind symptomfrei bzw. fast symptomfrei. Aber selbst hier sind die Erfahrungen völlig unterschiedlich; wir empfehlen grundsätzlich, die Allergosan-Kräutermischung ganzjährig zu füttern; viele Pferdehalter setzen sie allerdings nur während der Ekzemzeit ein und haben damit sehr gute Erfolge. Andere Pferde erzielen nur positiven Nutzen, wenn die Allergosan-Kräutermischung ganzjährig gefüttert wird bzw. zumindest einige Zeit vor der Ekzemsaison mit der Fütterung begonnen wird. Bei weiteren betroffenen Pferden muss zusätzlich homöopathisch therapiert werden, um ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen. Aber auch hier sind die Erfahrungen so unterschiedlich, dass man keine allgemein gültigen Erkenntnisse daraus erzielen kann: manche Pferde sind nach Tagen bzw. Wochen symptomfrei, andere benötigen Monate um annähernd symptomfrei zu sein.

Allerdings lässt sich zusammenfassend ganz klar sagen:

Helfen kann man jedem Sommerekzemer; nur die Zeit und die einzusetzenden Mittel sind sehr verschieden; jedoch war es bisher grundsätzlich möglich unter Mitarbeit des Pferdehalters ein sehr zufriedenstellendes Ergebnis, meist sogar eine völlige Symptomfreiheit zu erzielen!

Hierfür steht auch Sina, meine Haflingerstute, auf der die Entwicklung beruht: sie zeigt klar und deutlich, dass auch eine massivste Sommerekzemerin mit ein wenig Geduld und Zeit symptomfrei leben kann und dies seit vielen Jahren nur noch mit Hilfe einer ganz einfach umzusetzenden pferdegerechten Fütterung und Haltung!



Weitere Erfahrungen finden Sie unter www.tierheilkundezentrum.de

Zentrum für ganzheitliche Tierheilkunde, Tierheilpraktikerin Claudia Nehls, Am Buchholz 3, 33014 Bad Driburg, Tel.: 05648/963335, Fax: 05648/963334, Mobil: 0173/51 57 633,

Internet: www.tierheilkundezentrum.de, E-Mail: tierheilpraxis1.at.t-online.de








Sommerekzem

Weltweit ist man sich einig, dass es sich bei der Erkrankung Sommerekzem um eine Überempfindlichkeitsreaktion , also eine veränderte Reaktionslage des Organismus einzelner Pferde gegen die Inhaltsstoffe des Speichels der Culicuides Spezies (im Sprachgebrauch Mücken, Gnitzen) handelt. Das Immunsystem, die Polizei des Organismus, bekämpft im Normalfall Viren, Bakterien, Pilze, Parasiten und andere Schädlinge, die ungewollt in den Organismus eindringen. Diese Aggression richtet sich bei betroffenen Pferden gegen eher harmlose Stoffe, hier die Inhaltsstoffe des Speichels der Culicuides Spezies. Der Speichel der Mücken stellt das Allergen dar. Die krankmachende Wirkung der Allergie entsteht also nicht aus den Allergenen, sondern aus der Reaktion des Organismus auf diese. Die unsinnige und übersteigerte Abwehrreaktion gegen dieses Allergen löst dann die gefürchteten makroskopisch wahrnehmbaren Symptome des Sommerekzems aus. Kardinalsymptome sind starker Juckreiz und Unruhe. Alle weiteren Veränderungen entstehen durch das Scheuern. Die stark angegriffenen und wundgescheuerten Hautbezirke sind natürlich empfänglich für zahlreiche Folgeerscheinungen wie z. B. Bakterien, Hautpilze und Eitererreger wie Staphylokokkenbakterien. Durch die permanente Reizung wird die Haut immer dicker. Der Fachmann spricht dann von Pachydermie, die Haut legt sich in dicke, wulstige Falten. So entstehen luftabgeschlossene, eingequetschte Bereiche, die Haut fängt an zu nässen. Diese Hautbezirke sehen ähnlich aus wie befallene Bezirke bei Räude, wo Milben in der Haut leben. Oft wird das Sommerekzem auch als Sommerräude bezeichnet: bei Sommerräude leben jedoch Mikrofilarien, Entwickungsstufen von Würmern, in der Haut. Räude, Sommerräude und Sommerekzem sind also stark voneinander abzugrenzen und nicht als ein und dieselbe Erkrankung zu verstehen!
Über das eigentliche Allergiegeschehen hinaus gibt es zahlreiche begünstigende Faktoren durch unzureichende Haltungsbedingungen, individuelle Vorgaben und nicht optimale Fütterung.
Das Sommerekzem bzw. die Überempfindlichkeitsreaktion ist vererbbar. Anfällig für ein Allergiegeschehen sind demnach Pferde, welche im Erbgut ein Pferd mit einer Allergie führen.

Individuelle Prädispositionen

1.
Stoffwechselprobleme:
Diese äußern sich u. a. auch in verzögertem Haarwechsel, schuppigem Haarkleid, fettigem Fell und Anfälligkeit für Parasiten- und Pilzerkrankungen sowie langsamer Wundheilung.

2.
Hormonelle Imbalancen:
Diese äußern sich z. B. durch Scheuern am ganzen Körper während der Rosse und erhöhter Hautempfindlichkeit sowie auch nicht regelmäßiger verzögerter Rosse oder „Dauerrosse“, Verhaltensauffälligkeiten im Zusammenhang stehend mit der Haut (beißen, kratzen etc.).

3.
Psychische Faktoren:
Ein Pferd, welches z. B. in seiner Herde stark unterdrückt und sozusagen das „schwächste Glied“ ist, ein Pferd welches sich von seinem Besitzer nicht geliebt und zurückgesetzt fühlt oder auch ein Pferd, welches unter permanenter Langeweile leidet oder starkem Stress ausgesetzt wird, fühlt sich in seiner Haut ebenfalls nicht wohl. Auch psychische Faktoren tragen zum Allergiegeschehen nicht unerheblich bei.

Fütterungsbedingte Prädispositionen

Sind Vitamin-, Mineralstoff-, Spurenelementüber- bzw. Unterversorgung, Imbalancen im Nährstoffhaushalt, Rohfasermangel, Eiweiß- sowie Energieüberversorgung.
Bekannt ist, dass ein Überangebot an Protein und Energie stark zum Allergiegeschehen beiträgt. Dies umso mehr, wenn nicht ausreichend Rohfaser zugeführt wird. Die Ernährung eines Pferdes mit Sommerekzem sowie auch mit anderen Erkrankungen aus dem allergischen Formenkreis sollte in erster Linie bedarfsgerecht – nicht übermäßig – und möglichst naturbelassen sein. Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente sollten in für das Pferd optimal verwertbarer Form ausreichend zugeführt werden. Schädlich zu beurteilen sind hier gleichermaßen Mangelerscheinungen, Überschüsse und Imbalancen. So begünstigt ein Mangel an Calcium Hautveränderungen ebenso wie ein Calciumüberschuss. Calcium konkurriert im Darm mit Kupfer, Zink und Selen um die Aufnahme in den Organismus. Kupfer und Zinkmangel sind direkte Verursacher von Hautproblemen und Juckreiz. Kleie (große Anteile finden sich in Fertigmash) vermindern die Aufnahme von Calcium, Kupfer, Zink und Selen, so ist hier bei täglicher Fütterung ein Mangel bereits vorprogrammiert. Ein Überschuss an Selen, welcher, da Selen ein Spurenelement ist, schon bei geringster Überdosierung eintreten kann, führt zu Vergiftungserscheinungen bis hin zum sogenannten „Ausschuhen“, welches meist den Verlust des Pferdes bedeutet.
Eine bedarfsgerechte Ernährung ist die Grundvoraussetzung jeder erfolgreichen Therapie des Sommerekzems. Hier muss also in jedem Fall der Grundstock des therapeutischen Eingreifens gelegt werden. Ohne Beachtung einer optimalen Nährstoffzuführung wird jede Therapie langfristig zum Scheitern verurteilt sein! Wie schwierig eine annähernd optimale Fütterung zu bewerkstelligen ist, ergibt sich schon aus dem oben Gesagtem! Hüten sollte man sich vor allem, dem Sommerekzemer wechselnde oder auch gleichzeitig mehrere Ergänzungs- u. Zusatzfuttermittel sowie auch unterschiedliche Kräutermischungen zu füttern, da diese zwangsläufig zu Fehlversorgungen führen.
Eine ausgewogene Fütterung ist Voraussetzung für einen funktionierenden Stoffwechsel, ein gesundes und intaktes Darmmilieu sowie ein ausgewogenes Säure-Basen-Verhältnis, was unserem Ekzemer aus gutem Grund zugute kommt:
Weiterhin ist bekannt, dass  ein chronisch gestörtes Darmmilieu (ausgelöst durch zu große Mengen und/oder oft artfremdes Eiweiß) – im Darm befinden sich über 80 % der Immunzellen – eine Verschlechterung der Anpassung an äußere Reize und mangelhafte Immunabwehr (keine Eliminierung von Allergenen mehr möglich) bewirkt. Somit ist ein gestörtes Darmmilieu sowie auch ein gestörtes zum Teil hieraus resultierendes Säure-Basen-Gleichgewicht kausal mitverantwortlich für die Überreaktion des Immunsystems (= Allergie). Als Hauptverursacher eines gestörten Säure-Basen-Gleichgewichts bis hin zur Übersäuerung ebenso wie eines chronisch gestörten Darmmilieus wird eine falsche Fütterung als sicher angesehen.
 
Weitere Prädispositionen

Ein weiterer begünstigender Faktor ist Bewegungsmangel und Übergewicht.
Bewegung fördert die Durchblutung sowie den Stoffwechsel und wirkt so regulierend auf das Allergiegeschehen. Des Weiteren wird das Wohlbefinden durch ausreichend Bewegung an frischer Luft gestärkt.
Auch Umweltfaktoren sind bei der ständig steigenden Anzahl von allergischen Erkrankungen in starkem Maße zu berücksichtigen. Unsere Umwelt wird immer aggressiver und Reaktionen hierauf zeigt gerade das Pferd, welches von unseren „Haustieren“ wohl die naturverbundenste und somit auf die Umwelt sensibel reagierendste Spezies ist. Probleme zeigen sich hier in vielfältiger Weise, so ist längst nicht nur das Sommerekzem zum makroskopisch wahrnehmbarem Symptom geworden. Head-Shaking, allergische Reaktionen der Schleimhäute (Nasenausfluss, Husten, stark tränende Augen, Bindehautentzündung), dies alles können allergische Reaktionen auf unterschiedliche Umweltfaktoren sein. Nesselfieber (Urticaria) und starke Quaddelbildung als Reaktion auf Insektenstiche und andere Allergene nehmen als weitere allergische Reaktionen stark zu.
Erhöhte Leberwerte, welche gerade bei Allergikern häufig anzutreffen sind, beeinflussen den gesamten Stoffwechsel und fördern so die Allergiebereitschaft. Gerade das „Naturtier Pferd“ hat Probleme, mit dem stetig steigenden Maß an Toxinen, welche durch die synthetische Fertigfütterung mit ihren zahlreichen Zusatzstoffen ebenso wie unseren leichtfertigen Umgang mit Giftstoffen unterschiedlicher Art (Dünger, Unkrautbekämpfung, Umweltfaktoren, Abgasen usw.) verursacht wird zu leben.

Die Haltung des Sommerekzemers

Wichtig zu wissen ist hier, dass das Sommerekzem in Küstenregionen nahezu nicht vorkommt. Weiden in Küstenregionen meiden die Mücken vor allem wegen des Windes. Auf Bergweiden über 500 Meter kommt das Sommerekzem relativ selten vor. Desto windiger also das Umfeld, desto wohler fühlt sich unser Sommerekzemer. Das Sommerekzem tritt weltweit außer auf Island auf.
Die Haltung sollte in erster Linie – dies gilt für den Ekzemer ebenso wie für alle anderen Pferde, denn in erster Linie ist auch der Sommerekzemer Pferd – pferdegerecht, gesund, natürlich und mit möglichst viel Bewegung in frischer Luft mit Wind und Sonne verbunden sein (siehe hierzu ausführliche Schilderung in Ponys & Kleinpferde, Jahresausgabe 2003). Durch diese artgerechte Haltung werden Stoffwechsel, Durchblutung (welche grundsätzlich wichtig ist) und Psyche stark positiv beeinflusst. Die Möglichkeit zum Scheuern sollte in Form von befestigten ausrangierten Besen gegeben werden, Verletzungsmöglichkeiten müssen zwingend ausgeschaltet werden. Zu beachten ist hier, dass der starke Ekzemer durch exzessives Scheuern starke Läsionen und Verletzungen geradezu herausfordert.
Die Weideflächen sollten extensiv bewirtschaftet werden, was bedeutet, ausschließlich natürlich gedüngt (Mist, Jauche) und mit nur wenigen Pferden beweidet. Die Unkrautbekämpfung sollte ebenso natürlich vonstatten gehen, was heißt: kein Einsatz chemischer Unkrautbekämpfungsmittel! Je natürlicher und vielfältiger unsere Pferdeweide ist, je positiver ist der Grasbestand zu bewerten; extensiv bewirtschaftete Weideflächen sind verhältnismäßig rohfaserreich, protein- u. energiearm, was nicht nur unserem Sommerekzemer zugute kommt! Des Weiteren ist auf Hygiene zu achten, was regelmäßiges Kot einsammeln (sofern es die Fläche in ihrer Größenordnung erlaubt) ebenso einschießt, wie tägliches Ausmisten des Stalles, Reinigung der Tröge und Tränken, Entfernung von Spinngeweben etc.; hier sollte das Augenmerk auf eine natürliche Bekämpfung der Insekten gelegt werden.

Therapiemöglichkeiten

Weder der alleinige Einsatz von Kräutern und Ergänzungsfuttermitteln, noch die alleinige lokale Behandlung der betroffenen Hautbezirke und schon gar nicht die in der Praxis leider immer noch viel zu oft praktizierte und als erstes Mittel der Wahl eingesetzte Kortikoidtherapie (Unterdrückung bzw. Verlagerung des Symptomenkomplexes, teilweise verheerende Nebenwirkungen, wie z. B. Hufrehe) können als wirksame Therapie angesehen werden.
Weder in der Schulmedizin noch in der alternativen Tierheilkunde existiert eine nachweislich bei allen erkrankten Pferden erfolgreiche Behandlung durch ein einzusetzendes Mittel, da diese eine Standardmedikation nach dem „Schema F“ darstellen müsste, welche zumindest bisher aus o. g. Gründen nicht möglich ist, da Prädisposition und individuelle Erkrankungsgeschichte allgemein bei Allergien zu verschieden sind, als dass hier ein Mittel das Mittel der Wahl darstellen könnte (vergleichbar mit der Neurodermitis des Menschen).
Meiner Erfahrung nach lässt sich das Sommerekzem nur unter Einbeziehung der Ganzheitlichkeit wirksam therapieren.
Nach ausführlicher Anamnese sollte bei Bedarf einerseits eine individuelle Therapie eingeleitet werden, welche sämtliche Prädispositionen berücksichtigt und nicht auf Unterdrückung der Symptome abzielt, andererseits unter dem Aspekt der Ganzheitlichkeit Haltung, Fütterung, Bewegung, Sozialfaktoren und Pflegemaßnahmen überprüft und auf die Erkrankung abgestimmt optimiert werden.
In diesem Zusammenhang kann der Einsatz von Kräutern, wenn man diese einzusetzen versteht, wertvolle Dienste leisten und erfolgreich zur Therapie beitragen. Jedoch ist es falsch anzunehmen, nach dem Motto, viel hilft viel vorzugehen bzw. wahllos Kräuter und Homöopathika womöglich in Verbindung mit Kortison einzusetzen, da hier gravierende Fehler und Verschlechterungen der Symptomatik vorprogrammiert sind. Meiner Erfahrung nach sollte man sich ebenso hüten, Mittel zur Stimulation des Immunystems (z. B. Echinacea) bei Sommerekzem einzusetzen, da eine Allergie immer eine Überreaktion des Immunsystems ausdrückt, im Umkehrschluss also keine noch so geartete Stimulation des Immunsystems stattfinden darf, da hierdurch eine Verschlechterung der Symptomatik zwangsläufig eintreten muss. Auch die allgemeine Erfahrung, dass mit vom Fohlenalter an zunehmenden Lebensjahren das Sommerekzem jährlich stärker in Erscheinung tritt, bevor im Alter das Immunsystem durch allgemeine Alterungsprozesse schwächer wird und so auch der Symptomkomplex des Sommerekzemers schwächer wird, lässt den Schluss zu, dass eine Stärkung des Immunsystems hier völlig kontraproduktiv wirkt.

Haltung und Fütterung von Pferden mit Sommerekzem
Zunächst bilden sich sogenannte Papeln, Erhebungen im Durchmesser von Stecknadelkopf bis maximal drei Zentimeter, unter der Haut von Mähnenkamm, Schweifrübe, Kruppe, Widerrist, Schopf und unter dem Bauch an der Bauchnaht. Hieraus folgen die Kardinalsymptome Juckreiz und Unruhe. Alle Folgesymptomatiken entstehen durch das Scheuern infolge des Juckreizes. Dieser bleibt auch kennzeichnend für den gesamten Krankheitsverlauf. Die gleichzeitig auftretenden papulösen oder papulovesikulären Effloreszenzen werden meist nicht wahrgenommen, weil durch das ständige Scheuern das Bild verändert wird und durch das Ausschwitzen seröser Flüssigkeit Borken entstehen.  Die Mücke fliegt auf ihrer Suche nach Blut bevorzugt Stellen des Pferdekörpers an, an denen die Haare senkrecht stehen. Der Speichel der blutsaugenden weiblichen Insekten wird für die Sensibilisierung verantwortlich gemacht. Das Sommerekzem ist keine reine Kontaktallergie vom Typ IV, da auch spezifisches IgE im Blut nachgewiesen wird.
Auslöser des Sommerekzems ist der Speichel der Cullicoides Arten, welcher eine überschießende Reaktion des Immunsystems, eine allergische Reaktion, auslöst. Bedenkt man hierbei, dass etwa 80 % der Immunzellen im Darm angesiedelt sind, so wird der Zusammenhang zwischen Darm und Allergie schnell deutlich. Ist der Intestinal- und Digestionstrakt (Verdauungssystem) unseres Pferdes in einem ausgeglichenen Zustand, bilden die Bakterien des Darmes eine Symbiose (= Lebensgemeinschaft) und besitzt unser Pferd ein ausgeglichenes Säure-Basen Verhältnis, so hat eine allergische Reaktion hier wohl kaum eine Chance.
Ein spezielles Problem ist die Übersäuerung des Pferdeorganismus, welche durch falsche Fütterung entsteht. Der Organismus hat verschiedene Regulationsmechanismen, die in den Säure-Basen-Haushalt eingreifen. Wenn diese Regulationsmechanismen überlastet sind, kommt es zu Krankheitserscheinungen. Durch Zusammenwirken der Fließfähigkeit des Blutes, des Basengehaltes und der peripheren Durchblutung entsteht ein negatives Herdgeschehen. Auch Hufrehe beispielsweise kann als Durchblutungsproblem durch Übersäuerung entstehen.
Wir gehen heute davon aus, dass Allergien vom Gesamtstoffwechsel beeinflusst werden und somit wird das Sommerekzem durch Übersäuerung stark begünstigt. Mineralstoffmangel begünstigt wiederum die Übersäuerung.
Betrachtet man dies, so wird deutlich, dass sowohl bei der Hufrehe Erkrankung wie auch beim Sommerekzem die Ernährung wohl die wichtigste Rolle spielt!
Ein intakter und widerstandsfähiger Darmraum unseres Pferdes ist allein von Fütterung und Haltung abhängig, vorausgesetzt, spezifische Erkrankungen, beispielsweise Infektionskrankheiten sowie weitere ernsthafte Erkrankungen sind ausgeschlossen.
Grundsätzlich braucht das Pferd als Flucht- und Steppentier ausreichende freie Bewegung ganzjährig und dies auf weiträumigen Weideflächen. Der Aufenthalt im geschlossenen Stall ist sowohl für das äußerst empfindliche Verdauungssystem des Pferdes sowie auch das gesamte Wohlbefinden kontraproduktiv. Eine Stärkung des Verdauungssystems erreichen wir darüber hinaus mit bedarfsgerechter Rauhfutterfütterung, denn nichts ist für den Pferdedarm essentieller als Rohfaser, welche ausreichend allein im Rauhfutter sowie in überständigen Gräsern vorhanden ist.
Ein überhöhtes Maß an Protein ist für das an Sommerekzem erkrankte Pferd unbedingt und ganzjährig zu vermeiden. Die Fütterung sollte eher knapp und karg gestaltet werden. Eine restriktive Fütterung ist dauernd zu beherzigen, nicht nur während der kritischen Ekzemzeit:
Überwiegend erkranken Pferde, die jahrzehntelang an karges Futter gewöhnt waren und mit einer Eiweißüberversorgung und viel zu viel „gutem“ Futter krank werden!
Vitamin- und Mineralstoffmangelzustände entstehen häufig bereits in den Wintermonaten. Dabei wäre es gerade bei Ekzemern wichtig, diese bereits im Winter zu unterstützen und bestmöglich auf die kritische Ekzemzeit vorzubereiten. Eine optimale und natürliche Mineralstoff-/Vitamin- und Spurenelementversorgung sollte zwingend ganzjährig erfolgen, nicht erst dann, wenn bereits die ersten Hautläsionen entstanden sind, denn dann ist es meist für dieses Jahr zu spät. Doch immer noch früh genug, um endlich mit einer bedarfsgerechten Versorgung zu beginnen, welche dann sicher im nächsten Jahr ihre „Früchte tragen wird“. Unbedingt zu vermeiden ist ein Mangel an Mineralstoffen, da dieser sowohl das Verdauungssystem massiv beeinträchtigt, sowie auch den Hautstoffwechsel und darüber hinaus sämtliche anderen Erkrankungen fördert. Das Mineralstoff- und Spurenelementangebot sollte weder zu hoch, noch zu niedrig gestaltet werden. Beides ist negativ zu bewerten! Eine bedarfsgerechte Mineralstoffversorgung lässt sich ausschließlich aus Naturprodukten herleiten, nicht aus synthetisch zugesetzten Mineralstoffen, welche generell zu Imbalancen führen müssen, da Pferde diese nicht optimal verstoffwechseln können. Eine Mineralstoffversorgung sollte demnach durch Grünfutter, Rauhfutter, Kräuter und Pflanzen sichergestellt werden. Benötigt unser Sommerekzemer Kraftfutter, was von Arbeitsleistung und individuellem Pferd abhängig ist (erkennbar auch am Futterzustand), gibt es glücklicherweise Firmen, welche das individuell auf das betreffende Pferd abgestimmte Futter mit unterschiedlichem Nährstoffgehalt in natürlicher Form anbieten (Adressen nenne ich Ihnen gerne)!
Auch wenn uns häufig das Gegenteil suggeriert wird:
Ein Pferd benötigt keine Mengen Mineralstoffe, Vitamine und erst recht nicht der Spurenelemente, sondern optimal verwertbare.
Sehr gute Erfahrungen machte unser Tierheilkundezentrum bei Sommerekzemern mit der ganzjährigen Zufütterung als Ergänzungsfuttermittel der speziell für Ekzemer entwickelten Kräutermischung Allergosan-Kräuter.
Dies hat verschiedene Gründe:
Kräuter enthalten viele Mineralstoffe und Spurenelemente (Kalium, Calcium, Phosphor, Magnesium, Chlor, Eisen, Kupfer, Zink, Mangan, Selen, Schwefel etc.).
Die bedarfsgerechte Versorgung mit Mineralien fördert, unterstützt und aktiviert den gesamten Stoffwechsel unserer Tiere.
Mineralien wirken im Organismus basisch. Sie gleichen Übersäuerungszustände aus und tragen zu einem ausgeglichenen Säuren-Basen-Haushalt bei. Ein unausgewogener Säure-Basen-Haushalt ist Ursache vieler Erkrankungen und Mitverursacher, wenn nicht gar Verursacher, des Sommerekzems.
Bei der Entgiftung neutralisieren und helfen Mineralien, das körpereigene Schutzsystem aufzubauen und im Gleichgewicht zu halten. Auch enthalten Kräuter viele Vitamine, so hat Vitamin C eine ausgeprägte Radikalfängerfunktion, gilt als natürliches Antioxidant und stärkt die Abwehr. Carotin und Vitamin A unterstützen den so wichtigen Zellstoffwechsel.
Die Kieselsäure ist ein wichtiger Nähr- und Aufbaustoff für die schnell wachsenden Zellen der Haut, des Fells und der Hufe. Kräuter enthalten darüber hinaus Flavonoide, Gerbstoffe, Bitterstoffe, ätherische Öle, Schleimstoffe und Chlorophyll. Auch versorgen Kräuter unsere Pferde und Ponys mit den so wichtigen Mikronährstoffen. Mikronährstoffe sind für die physiologischen Funktionen einzelner Organe und Organsysteme unerlässlich. Während den sogenannten Makronährstoffen schon in der Vergangenheit viel Bedeutung zugemessen wurde und deren Gehalt in Futtermitteln geregelt ist, gilt dies für die wichtigen Mikronährstoffe nicht.
Bewährt haben sich in der Fütterung auch Öle, die durch ihr Fettsäurenmuster die Allergieneigung des Organismus verringern, beispielsweise Schwarzkümmelöl, Nachtkerzenöl und Fischöl (Dorschöl ist wegen seines hohen Vitamin A Gehaltes jedoch nicht zu empfehlen). Auch die Fütterung von Ingwer (siehe www.pferdeglueck.de) fördert eine optimale Darmflora. Jedoch sollte auch die Fütterung von Ingwer dauernd stattfinden, nicht erst beginnend mit der Ekzemzeit! Positive Erfahrungen wurden auch mit der kurweisen Zufütterung von speziellen Blütenpollen gemacht, welche zusätzlich in der Fütterung des Ekzemers über einige Monate eingesetzt werden (Lieferant nenne ich Ihnen gerne).
Ingwer, Blütenpollen und lokal einzusetzende Mittel sind positiv zu bewerten, grundsätzlich ist eine natürliche und optimale Versorgung und Fütterung unseres Pferdes aber unbedingt ganzjährig zu praktizieren, damit positive Wirkungen sich entfalten können!

Da auch das an Sommerekzem erkrankte Pferd in erster Linie Pferd ist, sollte auf eine artgerechte Haltung nicht verzichtet werden:

Weiden sollten unbedingt trocken sein, auch bei starkem Regen sollten diese schnell abtrocknen. Diese Beschaffenheit finden wir vorwiegend bei felsigen steinigen Böden, welche auch den Vorteil meist kargen Bewuchses mitbringen, welcher ein vertretbares Maß von Protein, Energie und wohl auch Fruktanen beinhaltet. Wind sollte unbedingt Zugang haben. Ideal sind sehr windige hochgelegene Weiden, Bergweiden und Deiche an der Küste. Ein stehendes Gewässer sollte natürlich nicht in unmittelbarer Nähe (ca. 10 km) sein!
Ungeeignet sind „fette Weiden“, da diese durch hohe Nährstoffgehälter Überschüsse von Protein und Energie hervorrufen.
Die Weide für unseren Ekzemer sollte – übrigens ähnlich wie bei einem Pferd mit Disposition zur Hufrehe – extensiv sein, d. h. Bewuchs mit kargen Gräsern statt Weidelgras, genügend Fläche (ca. 1 Hektar pro Pferd) aufweisen und weder mit Pestiziden, Herbiziden noch Dünger (Ausnahme natürliche Düngemittel) behandelt sein.

Schutz vor Insekten:
Unbedingt sollte ein dunkler, trockener Stall/Unterstand zur Verfügung stehen, indem die Pferde Schutz vor den lästigen Insekten finden. Eingänge sollten mit Planen oder Streifenbändern versehen sein, so dass für Mücken der Eintritt uninteressant ist!
Falls erforderlich, sollte der Stall mit natürlichen Repellents zusätzlich behandelt werden.
Möglichkeiten zum Kratzen sollten gegeben sein, jedoch ohne Verletzungsgefahr, gut geeignet sind beispielsweise Besen und Bürsten, welche an den Stallwänden befestigt werden können. Scheuerstellen mit Verletzungsgefahr sind unbedingt auszuschließen!

Zu beachten ist auch, dass das von Sommerekzem geplagte Pferd unter einem gewissen Gewöhnungseffekt leidet. Das Scheuern wird irgendwann zur geliebten Gewohnheit, dieser Kreislauf sollte ebenfalls unbedingt unterbrochen werden!
Wir reden hier von einer Erkrankung, welche ganz unterschiedlich ausgeprägt ist, daher ist es schwierig, allgemein die Empfehlung zu geben, den Pferden zumindest stundenweise einmal keine Scheuermöglichkeit einzuräumen. Was bei dem einen Pferd zur Qual wird, da der Juckreiz unerträglich ist, kann dem anderen Pferd sehr gut bekommen, weil das Scheuern in diesem Fall mehr Gewohnheit geworden ist. Soweit man dies beim eigenen Pferd vertreten kann und oben Gesagtes über mehrere Monate umgesetzt hat (somit ist in den meisten Fällen eine gewisse Regulation eingetreten) sollte zumindest versucht werden, das Pferd stundenweise vom Scheuern gänzlich fernzuhalten.
Dabei sollte das Pferd jedoch im Auge behalten und beobachtet werden, ob die Situation für`s Pferd noch erträglich ist. Ist das betroffene Pferd unruhig und fühlt sich sichtlich unwohl, muss diese Situation selbstverständlich sofort beendet werden. Die Umsetzung erfolgt hier auf sicher eingezäunten Weiden ohne Scheuermöglichkeiten, wie Bäume, Selbsttränken etc..
Meine Erfahrung geht dahin, dass dies bei einigen Pferden eine gute Möglichkeit ist, den Kreislauf zwischen Gewohnheit und Juckreiz zu unterbrechen und nach einiger Zeit das Scheuern an den eigens eingerichteten Scheuerplätzen sichtbar eingeschränkt wurde!

Homöopathische und phytotherapeutische
Therapien bei Sommerekzem

Die Haut ist das größte Organ bei Mensch und Tier.
Sie ist wegen ihrer enormen Oberfläche und ihrem direkten Kontakt mit der Umwelt vielen Gefahren und Schäden ausgesetzt. Die Haut ist Spiegel des Wohlbefindens, des Allgemeinbefindens und der Gesundheit und reflektiert wie kein anderes Organ Haltungs- und Fütterungsschäden beim Tier.
Die genetische Disposition, das Stoffwechselgeschehen, ein aus dem Gleichgewicht gebrachter  Intestinal- und Digestionstrakt mit gestörter Symbiose  sowie ein saures Milieu mit einem Ungleichgewicht des Säure-Basen-Haushalts sind als kausale Ursachen für die Überreaktion des Immunsystems anzusehen und finden Ihre Ursache in der Fütterung und Haltung unserer Pferde. Das Immunsystem unseres Pferdes stellt ein komplexes System dar und spielt die zentrale Rolle in der Pferdegesundheit. Es besitzt die Intelligenz, unmittelbar zu reagieren, zu lernen und zu kommunizieren und besteht aus mehreren Billionen Zellen. Selbst kleinste Veränderungen im Pferdeorganismus werden sofort entdeckt, weil die unterschiedlichen Bausteine alle miteinander vernetzt sind. Der Zustand des Immunsystems entscheidet, ob das Pferd krank oder gesund ist. Schädigungen erfährt das Immunsystem eines gesunden Pferdes beispielsweise durch falsche Haltung und Fütterung, durch psychische Belastungen, Überforderungen, Stress, Umweltgifte und körpereigene Gifte.
Da über 80 % der Immunzellen im Darmraum angesiedelt sind, liegt hier der Schlüssel zur Überreaktion (= Allergie) des Immunsystems. Allergene werden überwiegend durch den Darm ausgeschieden und abgebaut. Ist der Abbau der Allergene durch Störungen im Darmtrakt nicht mehr in vollem Umfange möglich, übernimmt die Haut des Pferdes teilweise diese Aufgabe. Störungen der Symbiose (Lebensgemeinschaft der Darmbakterien) und Ungleichgewichte im Darmraum können bereits bei heranwachsenden Pferden entstehen (z. B. durch die Verfütterung zu großer Mengen Protein). Diesen Proteinüberschuss kann das Magen-Darm-System nicht gänzlich abbauen, was zu einer Veränderung der Balance zugunsten einer vermehrten Ansiedlung von Hefen und Pilzen führt und damit zu einer Dysbiose und Bildung giftiger Stoffwechselprodukte.
Das Sommerekzem ist eine Allergieform des sogenannten Soforttyps (atopische Reaktion). Das Immunsystem reagiert also „über“:
Es liegt eine übersteuerte/überreagierende Immunabwehr vor, was im Umkehrschluss bedeutet: Eine Therapie darf weder auf das Immunsystem stimulierend wirken noch Abwehr und Immunsystem steigern!
Hartnäckig hält sich die Meinung, dass dem Sommerekzem eine mangelhafte Immunabwehr zugrunde liegt und die Therapie auf die Verbesserung des Immunsystems gerichtet sein sollte! Diese Meinung ist absolut kontraproduktiv und verschlimmert die allergische Reaktion des betroffenen Pferdes noch.
Eine Therapie muss auf eine Regulation der überschießenden Reaktion des Immunsystems abzielen.
Auf den Darmraum und hiermit also über 80% der Immunzellen hat selbstverständlich die Ernähung den größten Einfluss. Daher ist die Grundvoraussetzung einer erfolgreichen Therapie, die Ernährung eines disponierten oder erkrankten Pferdes so optimal wie nur möglich zu gestalten.
Eine bedarfsgerechte Ernährung ist die Grundvoraussetzung jeder erfolgreichen Therapie des Sommerekzems. Hier muss also in jedem Fall der Grundstock des therapeutischen Eingreifens gelegt werden.
Ohne Beachtung einer optimalen Nährstoffzuführung wird jede Therapie zum Scheitern verurteilt sein:
Fütterungsbedingte Prädispositionen sind:
Vitamin-, Mineralstoff-, Spurenelementüber- bzw. Unterversorgung, Imbalancen im Nährstoffhaushalt, Rohfasermangel, Eiweiß-/Energieüberversorgung.
Bekannt ist, dass ein Überangebot an Protein und Energie sowie ein nicht ausgeglichenes Verhältnis stark zum Allergiegeschehen beiträgt. Dies umso mehr, wenn nicht ausreichend Rohfaser zugeführt wird. Die Ernährung eines Pferdes mit Sommerekzem sollte in erster Linie bedarfsgerecht – nicht übermäßig –, eher restriktiv und unbedingt naturbelassen sein. Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente sollten in für das Pferd optimal verwertbarer Form (getrocknete Kräutermischungen) ausreichend zugeführt werden.
Mineralien wirken im Organismus basisch. Sie gleichen Übersäuerungszustände aus und tragen zu einem ausgeglichenen Säuren-Basen-Haushalt bei. Ein unausgewogener Säure-Basen-Haushalt ist Ursache vieler Erkrankungen und Mitverursacher, wenn nicht gar Verursacher, des Sommerekzems.
Schädlich zu beurteilen sind Mangelerscheinungen, Überschüsse und Imbalancen. So begünstigt ein Mangel an Calcium Hautveränderungen ebenso wie ein Calciumüberschuss. Calcium konkurriert im Darm mit Kupfer, Zink und Selen um die Aufnahme in den Organismus. Kupfer und Zinkmangel sind direkte Verursacher von Hautproblemen und Juckreiz. Kleie (große Anteile finden sich in Fertigmash) vermindern die Aufnahme von Calcium, Kupfer, Zink und Selen, so ist hier bei täglicher Fütterung ein Mangel bereits vorprogrammiert. Ein Überschuss an Selen, welcher, da Selen ein Spurenelement ist, schon bei geringster Überdosierung eintreten kann, führt zu chronischen bzw. akuten Vergiftungserscheinungen bis hin zum sogenannten „Ausschuhen“, welches in der Regel den Verlust des Pferdes bedeutet. Immer wieder wird darüber berichtet, dass synthetisches Zink, Selen und Kupfer bei Sommerekzemern zugefüttert werden sollte:
Da ein Überschuss dieser Spurenelemente unbedingt vermieden werden muss, da ernsthafte Schädigungen des Pferdeorganismus und Vergiftungen eintreten können, sollte vor Zufütterung dieser Spurenelemente eine Blutuntersuchung durchgeführt werden. Besteht ein Mangel steht der Fütterung – nach Absprache mit dem Tierarzt bezüglich der Dosierung – nichts im Wege. Besteht kein Mangel ist von der Fütterung dringend abzuraten! Jedoch sollte auch bei Mangelerscheinungen Wert auf eine natürliche Zufuhr dieser Spurenelemente gelegt werden, da diese besser verwertet werden können.
Zwingend zu vermeiden ist ein Überschuss an Protein. Die Ernährung sollte eher restriktiv sein und unser Sommerekzemer nicht zu dick!
Das Calzium: Phosphor-Verhältnis sollte bei ca. 2:1 liegen und das Verhältnis Energie zu Protein bei ca. 1:5. Entscheidend bei einer Proteinüberversorgung, welche bei der allgemein praktizierten Fütterung die Regel ist, ist das Verhältnis Energie zu Protein. Ein Pferd toleriert eine stark überhöhte Proteinzufuhr, wenn die Energie im richtigen Verhältnis bereitgestellt wird.
Hüten sollte man sich, dem Sommerekzemer ständig wechselnde oder auch gleichzeitig mehrere Ergänzungs- u. Zusatzfuttermittel zu füttern, da diese zwangsläufig zu Fehlversorgungen führen.
Gute Erfahrungen machten wir mit der ganzjährigen Zufütterung getrockneter Kräutermischungen. Hier sollte man Kräuter wählen, die eine entgiftende, blutreinigende und Stoffwechsel unterstützende Wirkung haben.
Nicht zuletzt, da erhöhte Leberwerte, welche bei Allergikern häufig anzutreffen sind, den gesamten Stoffwechsel beeinträchtigen und die Allergiebereitschaft fördern. Gerade das „Naturtier Pferd“ hat Probleme, das stetig steigende Maß an Toxinen, welche durch die synthetische Fertigfütterung mit ihren zahlreichen Zusatzstoffen ebenso wie unseren leichtfertigen Umgang mit Giftstoffen unterschiedlicher Art (Dünger, Unkrautbekämpfung, Umweltfaktoren, Abgasen usw.) verursacht wird, zu verstoffwechseln.
Ein Vorteil der ganzjährigen Kräuterfütterung liegt darin, dass Kräuter vom Pferdedarm optimal verwertet werden, viele Spurenelemente, Vitamine, Mineralstoffe, Kieselsäure, Biotin und sekundäre Pflanzenstoffe enthalten, kurzum: Unser Pferd ganzjährig optimal und ohne die Gefahr von Überschüssen sowie Mangelerscheinungen mit essentiellen Nährstoffen versorgen.
Eine ausgewogene Fütterung ist Voraussetzung für einen funktionierenden Stoffwechsel, ein gesundes und intaktes Darmmilieu sowie ein ausgewogenes Säure-Basen-Verhältnis. Da die ersten Resultate einer ausgewogenen Fütterung in der Regel mindestens 3 Monate benötigen, wäre es zu spät, mit dieser erst während der „Ekzemsaison“ zu beginnen. Diese sollte – zugunsten der gesamten Pferdegesundheit – dauerhaft und ganzjährig praktiziert werden!

Eine gute Möglichkeit zum lokalen Schutz der betroffenen Pferde vor Insekten sind Ekzemerdecken. Da diese stark beansprucht werden und über die gesamte „Saison“ getragen werden müssen, ist hier auf einwandfreie Qualität zu achten, denn nur diese kann sich rechnen! Ekzemerdecken sollten jedoch nicht als alleiniges Mittel der Wahl, sondern als äußerlicher Schutz, verstanden werden. Zumindest die Optimierung der Fütterung und Haltung sollte – mit oder ohne Decke – selbstverständlich sein.

Therapiemöglichkeiten

Weder der alleinige Einsatz von Kräutern und Ergänzungsfuttermitteln, noch die alleinige lokale Behandlung der betroffenen Hautbezirke und schon gar nicht die in der Praxis leider immer noch viel zu oft praktizierte und als erstes Mittel der Wahl eingesetzte Kortikoidtherapie (Unterdrückung bzw. Verlagerung des Symptomenkomplexes, teilweise verheerende Nebenwirkungen, wie z. B. Hufrehe) können als wirksame Therapie angesehen werden.
Weder in der Schulmedizin noch in der alternativen Tierheilkunde existiert eine nachweislich bei allen erkrankten Pferden erfolgreiche Behandlung durch ein einzusetzendes Mittel, da diese eine Standardmedikation nach dem „Schema F“ darstellen müsste, welche zumindest bisher nicht möglich ist, da Prädisposition und individuelle Erkrankungsgeschichte bei Allergien zu verschieden sind, als dass hier ein Mittel das Mittel der Wahl darstellen könnte (vergleichbar mit der Neurodermitis des Menschen).

Es gibt jedoch verschiedene naturheilkundliche Mittel, welche sich in der Therapie vieler Pferde sehr gut bewährt haben:

In der Homöopathie:

Cardiospermum (Herzsame) als Basismittel zur Behandlung des Sommerekzems, als Antiallergikum, innerlich und äußerlich anzuwenden, bei unwiderstehlichem Juckreiz und Allergie,
Apis (Honigbiene) als Basistherapeutikum einer Allergie auf Insektenstiche,
Sulfur (gereinigter Schwefel) mit den Modalitäten:
Verschlimmerung: morgens, vormittags, bei Wetterwechsel, beim Waschen, bei Kälte und Nässe,
besser bei:
trockenem warmem Wetter und an frischer Luft,
Ledum (Sumpfporst) mit den Modalitäten:
Verschlimmerung bei Wärme,
Verbesserung bei Kälte und durch kühle Umschläge,

In der Homotoxikologie:

Traumeel Tropfen/Tabletten/Ampullen zur Förderung der Wundheilung sowie auch lokal als Salbe der Firma Heel,
Ubichinon Compositum Ampullen der Firma Heel,
Cutis Compositum Ampullen der Firma Heel
sowie Alleosal Ampullen der Firma Weravet (bei Alleosal wurde die beste Wirkung in Verbindung mit Sulfur C 30 festgestellt).


In der Isopathie:

Firma Sanum Kehlbeck/Mastavit:
Citrokehl, Vetokehl Not, Fortakehl, Pefrakehl im Wechsel mit
Vetokehl Sub, Vetokehl Muc und Vetokehl Nig.

Das Standardmittel gibt es leider nicht, die zu verabreichenden naturheilkundlichen Mittel müssen zwingend speziell auf das jeweilige Pferd abgestimmt werden, da jede Erkrankung ganzheitlich und individuell zu betrachten ist und ihr somit unterschiedliche kausale Ursachen zugrunde liegen können.

Phytotherapie:

In der Pflanzenheilkunde setzen wir stoffwechselfördernde, entgiftende, durchblutungsfördernde, entzündungshemmende und ausscheidungsfördernde Kräuter ein:
Beispielsweise Löwenzahn, Brennessel, Goldrute, Gingko, Ackerschachtelhalm, Weidenrinde und Birkenblätter.
Kräuter bieten über diese positiven Eigenschaften speziell bei Sommerekzem der oben genannten Kräuter viele Mineralstoffe und Spurenelemente (Kalium, Calcium, Phosphor, Magnesium, Chlor, Eisen, Kupfer, Zink, Mangan, Selen, Schwefel etc.). Die bedarfsgerechte Versorgung mit Mineralien fördert, unterstützt und aktiviert den gesamten Stoffwechsel unserer Tiere.
Mineralien wirken im Organismus basisch. Sie gleichen Übersäuerungszustände aus und tragen zu einem ausgeglichenen Säuren-Basen-Haushalt bei. Ein unausgewogener Säure-Basen-Haushalt ist Ursache vieler Erkrankungen. Bei der Entgiftung neutralisieren und helfen Mineralien, das körpereigene Schutzsystem aufzubauen und im Gleichgewicht zu halten. Auch enthalten Kräuter viele Vitamine, so hat Vitamin C eine ausgeprägte Radikalfängerfunktion, gilt als natürliches Antioxidant und stärkt die Abwehr. Carotin und Vitamin A unterstützen den so wichtigen Zellstoffwechsel. Die Kieselsäure ist ein wichtiger Nähr- und Aufbaustoff für die schnell wachsenden Zellen der Haut, des Fells und der Hufe. Kräuter enthalten darüber hinaus Flavonoide, Gerbstoffe, Bitterstoffe, ätherische Öle, Schleimstoffe und Chlorophyll. Auch versorgen Kräuter unsere Pferde und Ponys mit den so wichtigen Mikronährstoffen. Mikronährstoffe sind für die physiologischen Funktionen einzelner Organe und Organsysteme unerlässlich. Während den sogenannten Makronährstoffen schon in der Vergangenheit viel Bedeutung zugemessen wurde und deren Gehalt in Futtermitteln geregelt ist, gilt dies für die wichtigen Mikronährstoffe nicht.
Eine spezielle Kräutermischung, welche bedenkenlos allen Pferden gefüttert werden kann, ist die Allergosan-Kräutermischung, welche als Ergänzungsfuttermittel ganzjährig in der Fütterung eingesetzt wird und speziell für Sommerekzemer entwickelt wurde (Infos: www.tierheilkundezentrum.de bzw. bei mir).
Zur unspezifischen Stärkung des Verdauungssystems lässt sich über die Fütterung auch Ingwer (www.pferdeglueck.de) ganzjährig mit gutem Erfolg einsetzen!

Allgemeines zur Therapie:

Nach ausführlicher Anamnese sollte bei Bedarf einerseits eine individuelle Therapie eingeleitet werden, welche sämtliche Prädispositionen berücksichtigt und nicht auf Unterdrückung der Symptome abzielt, andererseits unter dem Aspekt der Ganzheitlichkeit Haltung, Fütterung, Bewegung, Sozialfaktoren und Pflegemaßnahmen überprüft und auf die Erkrankung abgestimmt optimiert werden. In diesem Zusammenhang kann der Einsatz von Kräutern, Homöopathika und weiteren naturgemäßen Therapien, wenn man diese einzusetzen versteht, wertvolle Dienste leisten und im günstigsten Fall eine Symptomfreiheit bewirken. Jedoch ist es falsch anzunehmen, nach dem Motto, viel hilft viel vorzugehen bzw. wahllos Kräuter und Homöopathika womöglich in Verbindung mit Kortison einzusetzen, da hier gravierende Fehler und Verschlechterungen der Symptomatik vorprogrammiert sind. Hüten sollte man sich ebenfalls, Mittel zur Stimulation des Immunystems (z. B. Echinacea) bei Sommerekzem einzusetzen, da eine Allergie eine Überreaktion des Immunsystems ausdrückt, im Umkehrschluss also keine noch so geartete Stimulation des Immunsystems stattfinden darf, da hierdurch eine Verschlechterung der Symptomatik zwangsläufig eintreten muss. Auch die allgemeine Erfahrung, dass mit zunehmenden Lebensjahren das Sommerekzem jährlich stärker in Erscheinung tritt, bevor im Alter das Immunsystem durch allgemeine Alterungsprozesse schwächer wird und so auch der Symptomkomplex des Sommerekzemers schwächer wird, lässt den Schluss zu, dass eine Stärkung des Immunsystems kontraproduktiv wirkt.
Gerade beim komplexen Thema Sommerekzem sollte ganzheitlich therapiert werden, was weiterhin eine lokale Therapie der betroffenen Hautbezirke mit einschließt. Diese sollten mit – individuell zu ermittelnden – wundheilungsfördernden oder/und insektizid und zwingend juckreizstillend wirkenden Produkten regelmäßig behandelt werden (lokal einzusetzende empfehlenswerte Produkte finden Sie z. B. bei www.allgäuer-kräuterhaus.de, www.tierheilkundezentrum.de).  
Mittlerweile gibt es zahlreiche lokal und innerlich einzusetzende Mittel, welche völlig nebenwirkungsfrei und unschädlich für Pferde sind. Die Kunst einer erfolgreichen Therapie beschränkt sich jedoch darauf, die für unser Pferd passenden Mittel auswendig zu machen, da das Angebot und die Empfehlungen unüberschaubar sind. Jedes Pferd ist ein Individium, was uns vor die Aufgabe stellt, eben für dieses eine Pferd eine spezifische homöopathische, isopathische, homotoxikologische und ergänzend lokale Therapie zu wählen. Da den homöopathischen Therapien der Gedanke zugrunde liegt, dass der Gesunde die Symptomatiken einer Erkrankung entwickelt, welche den Kranken dieser Symptomatiken befreien, sollte ein therapeutisches Eingreifen immer den Menschen vorbehalten bleiben, die sich damit auskennen, denn ein wahlloses „Rumprobieren“ verschiedenster Mittel schädigt unser – eh schon leidendes Pferd – nur noch mehr.

Voraussetzung jeder erfolgreichen Therapie ist jedoch eine auf die Allergiebereitschaft abgestellte Fütterung und Haltung.
Selbst wenn es uns nicht möglich ist, sämtliche hier und in der letzten Pferdeanzeiger-Ausgabe genannten Empfehlungen in die Praxis umzusetzen, weil man hierauf vielleicht keinen Einfluss hat, so ist es grundsätzlich möglich, Optimierungen – wenn auch nur zum Teil – vorzunehmen und hiermit unserem Ekzemer das Leben zu erleichtern und die Lebensqualität zu erhöhen.
Zentrum für ganzheitliche Tierheilkunde
Diplom-Tierheilpraktikerin Claudia Nehls
www.tierheilkundezentrum.de, E-Mail: tierheilpraxis1.at.t-online.de
Tel.: 05648/963335 ab 18.00 Uhr, tagsüber: 0173/5157633,
Fax: 05648/963334

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