Torgelsches Pferd
Geburtsland
Estland
Ursprünge der Rasse
Das Torgelsche Pferd trägt seinen Namen nach dem Gestüt Torgel in Estland, wo die Zucht ursprünglich entstanden ist. Man begann die Zucht des Gestüts mit Klepper- und Doppelklepperstuten. Nach ersten mißlungenen Zuchtexperimenten mit Araber-Hengsten kreuzte man die Stuten mit Ardenner-Hengsten und erhielt recht brauchbare Arbeitspferde.
In der Folgezeit wechselte in Torgel die Zuchtrichtung mehrfach. Bester Beschäler des Estländischen Klepperrasse war längere Zeit der Hengst Wiskal IX, dessen Nachkommen Reklame für Torgel machten. 1888 wurde aus Rußland der Orlow-Traber-Hengst Jantar eingeführt. Der eigentliche Durchbruch für die Torgelsche Gestütszucht kam aber mit dem 1894 aus Polen eingeführten Hengst Hetman. Er gilt als der Stammvater der modernen Torgelschen Zucht. Sein Vater entstammte der Kreuzung eines Norfolk Roadsters mit einer Anglo-Normänner-Stute, seine Mutter war eine englische Hunter-Stute unbekannter Herkunft. Aus Hetmans Paarungen mit den Klepper-Stuten gingen massive, sehr uniforme Pferde mit gutem Rahmen hervor.
Es gab eine kurze Periode, anfang des 20. Jahrhunderts, in der die Zucht mit Hilfe von Trakehner-Hengsten auf Remonteproduktion ausgerichtet war. Diese Zuchtpolitik wurde jedoch mit Ende des Ersten Weltkrieges wieder aufgegeben, da es keine Markt für Remonten mehr gab.
Etwa ab 1926 wurde die Zucht endgültig auf die Heranbildung eines kräftigen, warmblütigen, landwirtschaftlichen Arbeitspferdes festgelegt, wofür meist Stuten mit Hetman-Blut verwendet wurden. Leider fürhte die starke Inzucht auf Hetman zu gewissen Degenerationserscheinungen. Um diesen Mängel abzuhelfen, importierte man 1936 Bretonische Postier-Hengste aus Frankreich. Von ihnen wurden vor allem Uhke, Wirk und Tutzew sehr nützliche Vererber.
Die estnische Pferdezucht wurde durch die Zweiten Weltkrieg stark in Mitleidenschaft gezogen. Jedoch erfolgte ein planmäßiger, zielgerichteter Wiederaufbau und 1950 registrierte der Ministerrat der UdSSR das Torgelsche Pferd als eigenständige Rasse. 1951 wurde der erste Band des Gestütbuches aufgelegt.
Seit Anfang des 60er Jahre hat man für die Verbesserung der Reit- und Springanlagen auch Holsteiner und Hannoversches-Blut eingekreuzt. Seit der Unabhängigkeit Estlands von der auseinandergebrochenen Sowjetunion 1990, ist man bestrebt das Torgelsche Pferd in Richtung auf ein vielseitig, verwendbares Sportpferd umzuzüchten, das in Typ und Leistungsanlagen den westeuropäischen warmblütigen Sportpferdezuchten entspricht. Die Torgelsche Rasse wird in den meisten Gestüten und Staatsgütern der Estnischen Republik gezüchtet.
Beschreibung
- Kopf:
relativ groß, mit breiter Stirn, großen, lebhaften, freundlichen Augen und breiten, etwas tief angesetzten Ohren von mittlerer Länge. Profil ist gerade oder leicht konvex - Exterieur:
er ist ein kräftiges Pferd von trockener, harter Konstitution. Man unterscheidet 2 voneinander getrennte Typen: der Typ A ist ein auf der Grenze zwischen schwerem Warmblut und leichtem Kaltblut stehender Arbeitsschlag. Der Typ B ist ein recht kompaktes Warmblutmodell.
-Hals, mittellang, muskulös und gutgetragen
-recht stark entwickelte Ganaschenpartie
-Widerrist mehr breit als hoch
-Rücken, kräftig
-abschüssige Kruppe
-Gliedmaßen, trocken, hart mit starken Gelenke und gut markierten Sehnen
-Hufe, mittelgroß, gesund aus festem Horn - Stockmaß:
160 bis 168 cm sind die offizielle angegebene Maße jedoch sind Pferde über 170 cm nicht ungewöhnlich - Farbe:
die wichtigste ist Fuchs in verschiedenen Farbabstufungen, auch Schweiß- oder Kohlfuchs mit lichterem Langhaar, dazu größere weiße Abzeichen - Interieur:
er ist gepaart mit einem freundlichen, gutmütigen, ehrlichen Charakter und einem ruhigen , ausgeglichenen Temperament dazu bringt er eine hohe Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit und große Gelehrigkeit. - Einsatz:
die Verwendung des Torgelschen Pferdes ist breit: in der Landwirtschaft, als Wagenpferd und in zunehmendem Maße in seinen edleren Exemplaren auch als Reitpferd, im Sport vor allem als Springpferd. In einer Reihen anderer Republiken der ehemaligen Sowjetunion wurde das Torgelsche Pferd außerdem zur Verbesserung anderer Rassen und Schläge verwendet.
