Bardigiano
Geburtsland
Italien
Ursprünge der Rasse
Der Bardigiano verdankt seinen Namen dem Bergdorf Bardi in Norditalien. Die Gegend zeichnet sich durch ihre isolierte Lage und Abgeschlossenheit aus, was sicher zur Reinhaltung der alten Rasse beigetragen hat.
Über dem Ursprung des Bardigiano gibt es verschiedene Theorien. Offizielle Verlautbarungen des Bardigiano-Zuchtverbandes beziehen sich auf die Aufzeichnungen eines S.Spigardi aus dem Jahre 1887, worin er die Abstammung der Rasse von dem heute ausgestorbenen alten Berg-Ardenners vertritt.
Während des Mittelalters diente der Bardigiano den Rittern des Kastells von Bardi und der umliegenden Gegend über Jahrhunderte als unerschrockenes Streitroß. Im Laufe der Jahrhunderte verlor der Bardigiano immer mehr seine Bedeutung für kriegerische Zwecke und wurde zum Arbeitskameraden des Bauern, als Saumpferd sowie vor Pflug, Egge und Wagen, unter dem Sattel in der Forstarbeit.
Im Jahr 1861, nach Ende der italienischen Einigungskriege war der Bardigiano in der italienischen Armeeführung in völlige Vergessenheit geraten. Später, in den Jahren vor dem Ersten und zwischen den beiden Weltkriege diente die Rasse der Armee für die Produktion robuster Maultiere.
Im Zweiten Weltkrieg erregte sie wieder Aufsehen, als während des Rückzuges aus Rußland die Bardigianos die einzigen Pferde waren, die die Strapazen in der gefrorenen Steppe und den Futtermangel unbeschadet überstanden, besser noch als die Maultiere. Leider, in dieser Zeit, begann man Hengste diverser anderer Rassen einzukreuzen, was zu einem Verlust der typischen Rasseeigenschaften führte. Außerdem ging die Zucht mit der zunehmenden Motorisierung ganz allgemein zurück.
1972 setzte sich der Gedanke, die Zucht des Bardigiano mit neuem Leben zu erfüllen. 1975 fand die erste Ausstellung der Bardigiano-Rasse mit Unterstützung des „Centro Regionale di Incremento Ippico di Reggio Emilia" in Bardi statt. Die Anstrengungen um den Erhalt des Bardigianos wurden 1977 seitens des „Ministerio dell´Agricoltura e delle Forese" durch Einrichtung eines eigenen Gestütbuches für den Bardigiano unterstützt. Nun wurde es möglich, eine eigene Züchtervereinigung und ein zentrales Verbandsbüro in Parma zu etablieren.
Das Selektionssystem wird sehr streng gehandhabt. Die Identität wird mittels Blutgruppenanalyse gesichert. Scharfe Veterinärkontrollen auf Gesundheit und Spermaqualität gehören zum Zuchtprogramm. Jährlich am ersten Augustwoche findet eine große Zuchtschau in Bardi.
Beschreibung
- Kopf:
recht leicht und edel mit geradem oder geringgradig konkavem Profil; breite Stirn; kurze Ohren; weit auseinanderstehenden, große, lebhafte Augen; weite Nüstern; deutlich über die Unterlippe hervortretende Oberlippe - Exterieur:
-Hals, wohlproportioniert mit breiter Basis, in der Regel schön geschwungen
-Brust, breit und tief
-Schulter, steil und gepackt
-Widerrist, flach und breit
-breite, kurze Lende
-breite, muskulöse, nicht sehr lange, abschüssige Kruppe mit tiefem Schweifansatz
-kurze Gliedmaßen, gut gestellt, von höher Härte
-Gelenke und Sehnen deutlich markiert
-Hufe, groß, dunkel, von zäher, harter Hornbeschaffenheit
-Mähnen und Schweifhaar stark ausgebildet - Stockmaß:
zwischen 135 und 147 cm - Farbe:
Mittel- bis Dunkelbraun. Abzeichen werden nicht gern gesehen - Interieur:
er besitzt ein zwar lebhaftes, energisches, jedoch sehr ausgeglichenes Temperament und einen liebenswürdigen, fügsamen Charakter, der den Umgang mit ihm komplikationslos macht. Er ist sehr gelehrig und besitzt eine starke Leistungsbereitschaft. Er zeigt Mut und vor allem Nervenstärke in schwierigen Situationen. - Einsatz:
außer der traditionellen Nutzung durch die Bergbauern als Säumer und Zugpferd nimmt die Bedeutung des Bardigiano im Freizeitsport und Pferdetourismus, für Wanderritte und -fahrten ständig zu. Er ist auch von weniger geübten Reitern vielseitig einzusetzen. Er ist ohne weiteres in der Lage, einen kräftigen Erwachsenen zu tragen oder einen voll besetzten Kutschwagen zu ziehen. Eine weitere Nutzung ist das therapeutische Reiten. Und schließlich darf ein Nutzungszweig nicht vergessen werden: die Schlachtpferdeproduktion.

